„Hier draußen lernt man viel über sich selbst“, meint Tobias Hägg, „und das ist eine der Besonderheiten dieses Ortes.“ Mit „hier draußen“ meint er Schwedisch-Lappland, eine Provinz am nördlichsten Rand des Landes, die sich bis an den Polarkreis erstreckt.
Lappland ist groß. Es erstreckt sich über knapp ein Viertel der gesamten Landmasse Schwedens und ist damit in etwa so groß wie Portugal und doppelt so groß wie die Schweiz. Und es ist extrem – mit häufig bis zu –40 ºC herrschen hier die landesweit tiefsten Temperaturen, und auch der höchste Berg des Landes steht hier: der doppelgipfelige Kebnekaise, zu Deutsch „Kessel-Kamm“, mit seiner eisfreien Spitze in über 2.096 m Höhe und einem mächtigen Gletscher, der sich mit den Jahreszeiten hebt und senkt.
Es beherbergt das Naturreservat Vindelfjällen sowie andere Naturschutzgebiete, deren Gletschertäler, Seen und Wälder den Rentieren, Elchen, Bären, Wölfen, Luchsen und Polarfüchsen ein Zuhause bieten. Ja, Lappland ist groß. Und wunderschön. Und gefährlich.
Wer sich die Bilder von Tobias ansieht, verliert sich schnell in der Schönheit der Wildnis, wie er aber betont, besteht auch die sehr reale Gefahr, die Orientierung zu verlieren, sich zu verirren oder die Heimfahrt zu verpassen. „So ist es mir einmal ergangen, und das war ausschlaggebend“, erinnert er sich. „Ich war früh aufgestanden, um den Sonnenaufgang zu fotografieren, und sollte später von einem Helikopter abgeholt werden. Aber dann zog dichter Nebel auf und ich musste zwei zusätzliche Tage in meinem Zelt verbringen, bis sich der Nebel lichtete.“
Es ist also ein Ort, an dem man leicht verloren gehen, aber auch zu sich selbst finden kann. Das war eine Erfahrung, die Tobias nicht aus der Ruhe brachte und einen ganz und gar positiven Eindruck bei ihm hinterließ, der seine Liebe zu Lappland noch verstärkte. „Es war das erste Mal, dass ich die Wildnis wirklich verstand“, sagt er. „Durch die Gefahr und die Einsamkeit fühlt man sich lebendig.“
Rückblickend war Tobias‘ wachsende Wertschätzung seines Heimatlandes Ausdruck seiner persönlichen Entwicklung. „Als ich mit dem Fotografieren begann, wollte ich die Welt sehen. Für mich war Schweden nie sonderlich inspirierend, denn von hier stammte ich ja schließlich, nicht wahr? Man sieht die Wälder und die Seen, die wunderschöne Natur, aber nichts davon beeindruckt einen … man bemerkt es höchstens beim Skifahren. Es war einfach zu gewöhnlich.“ Die Schweden nennen das ganz treffend „Heimatblindheit“.
„Natürlich wusste ich von Schwedisch-Lappland, aber es ist irgendwie ein Land innerhalb eines Landes, und normalerweise begibt sich niemand so weit in den Norden. Also reiste ich weiter durch die Welt, um immer größere Berge und immer höhere Wasserfälle zu erleben, die das vorherige Reiseziel stets übertreffen mussten. Aber ich war nie ganz zufrieden, denn ich sehnte mich nach meinem Zuhause. Als ich schließlich nach Lappland kam“, fährt er fort, „fühlte es sich für mich an wie etwas sehr Neues, aber auch etwas sehr Persönliches. Die Saat war gelegt, und so habe ich mein Herz an Lappland verloren.“
Sein Wunsch ist es nun, Lappland so zu dokumentieren, dass neben der gewaltigen Größe und den unwirtlichen Bedingungen auch die unglaubliche Schönheit der Natur zur Geltung kommt. Im Grunde möchte er anderen vermitteln, was er empfindet, wenn er den hohen Norden besucht. Das ist kein leichtes Unterfangen, aber mit seinen Bilder gelingt es ihm. Was braucht es also, um einen solchen Ort zu dokumentieren? „Dies ist ein weiterer positiver Aspekt“, erzählt er lachend. „In Lappland muss man sich seine Fotos hart erarbeiten.“
„Das Projekt hat eine enorme geografische Reichweite – man könnte sagen, es ist so groß wie das Gebiet selbst“, erklärt er. „Dort oben gibt nur wenige Straßen, und das Wetter ändert sich ständig, sodass manche Gebiete zu bestimmten Zeiten im Jahr praktisch unzugänglich sind. Es ist ein Ort, auf den ich fotografisch die richtige Antwort finden musste, denn es war für mich alles andere als normal, mit einer so weiten und leeren Landschaft zu arbeiten.“
Nach eigener Aussage unterstützen ihn dabei seine Sony Alpha Kameras und Objektive, darunter die Alpha 7R IV und Objektive wie das FE 16-35mm f/2.8 GM, das FE 24-70mm f/2.8 GM, das FE 70-200mm f/2.8 GM OSS II und das FE 100-400mm f/4.5-5.6 GM OSS. „Wegen fehlender Straßen sind wir oft zu Fuß, auf Skiern oder mit Schneemobilen unterwegs“, verrät er. „Da spielen eine kompakte Größe und ein geringes Gewicht eine unglaublich wichtige Rolle. Und vielleicht noch wichtiger ist, wie die Technik den extremen Temperaturen standhält. Ich fotografiere manchmal bei Schneesturm und -40 ºC, aber auf meine Ausrüstung ist Verlass.“
„Und weil ich unterschiedliche Setups für Luftaufnahmen, Videos und Landschaftsaufnahmen bei Tag und Nacht brauche, geht es nicht nur um die Tragbarkeit auf einzelnen Expeditionen“, fügt er hinzu. „Es bedeutet auch, dass ich auf langen Reisen mehr mitnehmen kann. Normalerweise nehme ich alles mit, was ich habe, und das Tolle an der Wildnis ist, dass ich die Ausrüstung, die ich nicht brauche, unbesorgt in meinem Zelt lassen kann, weil niemand da ist, der sie stehlen könnte!“
Tobias interpretiert die Landschaft unter anderem, indem er sie vom Hubschrauber aus fotografiert. „So kann ich größere Gebiete abdecken, und dank der Vollformat-Sensoren mit hoher Auflösung und der Bildstabilisierung meiner Sony Kameras, die die Vibrationen des Flugzeugs ausgleicht, kann ich natürlich Bilder in höherer Qualität machen als mit einer Drohne“, sagt Tobias.
Am eindrucksvollsten sind vielleicht aber seine Bilder, die die Landschaft mit menschlicher Präsenz in Einklang bringen. Er erklärt: „Da draußen komponiere ich meine Aufnahmen oft mit Menschen, sei es mit mir selbst, einem Freund oder einem Mitglied der lokalen Sámi-Bevölkerung. So wird die Größe und oft auch die Härte der Wildnis in einen Kontext gesetzt und der Betrachter kann sich besser in meine Situation hineinversetzen. Sonst sind die Ansichten oft nur schwer zu erfassen.“
Der Wert dieser Vorgehensweise ist leicht zu erkennen, insbesondere bei seinen Aufnahmen von Booten und Kajaks, die über die unberührten Seen der Region fahren, wo der Anblick sonst fast abstrakt wirken würde. „Außerdem habe ich festgestellt, dass diese Art von Bildern als große Drucke besser zur Geltung kommen als auf kleinen Bildschirmen, wo die Betrachter sie eher ganz lesen als überfliegen“, meint er.
Natürlich birgt diese Verklärung der Wildnis auch gewisse Gefahren. So könnten etwa zu viele Menschen kommen und die Atmosphäre eines Ortes verändern oder gar zerstören. „Das ist auf jeden Fall zu bedenken“, gibt Tobias zu, „und wenn man solche Orte besucht, muss man verantwortungsbewusst sein. Zum Glück haben viele dieser Orte einfach keine Namen oder sind so schwer zu erreichen, dass die meisten Menschen gar nicht erst auf die Idee kommen, sie aufzusuchen. Und wenn ich es schaffe, gefährdete Arten wie Polarfüchse zu fotografieren, achte ich darauf, dass ich nichts veröffentliche, was auf den Ort schließen lässt.“
Abschließend meint Tobias: „Meine Beziehung zu Lappland besteht nun schon seit sechs Jahren, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie bald oder überhaupt jemals enden wird. Es ist ein Projekt, das aus dem Nichts kam, mich aber in dieser Zeit sehr verändert hat. Und Veränderung ist etwas, das ich auch in der Landschaft zunehmend dokumentieren möchte.“
„So will ich beispielsweise zeigen, wie der Klimawandel zum Abschmelzen der Gletscher am Kebnekaise-Massiv beiträgt und wie die Sámi auf diese und andere Herausforderungen wie Bergbau und Abholzung reagieren. Die Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe, haben mich wieder stolz auf die schwedische Landschaft und auf mich selbst gemacht. Anfangs ging es mir nur darum, ein Bild zu machen, das ich mit nach Hause nehmen konnte, aber jetzt geht es mir genauso um Abenteuer, die Erkundung und das Leben an diesem Ort. Selbst wenn ich nicht fotografieren würde, käme ich immer wieder hierher zurück, aber ich hoffe, dass ich mit etwas Hilfe meiner Sony Ausrüstung einen Beitrag zum Schutz Lapplands leisten kann.“
„Auf der Jagd nach den perfekten Momenten in einer Welt, die auf wunderschöne Weise unvollkommen ist.“