„Diese Foto zeigt die ganze Kraft und Stärke sowie das heillose Durcheinander der weltweit größten Tierwanderung“, sagt der professionelle Unterwasserfotograf Alexis Rosenfeld. „Und unser Kameramann Steven steckt mittendrin.“
Unter dem Titel „The Great River of Life“ dokumentiert Alexis seit Juni 2023 diese Wanderung. „Dabei handelt es sich um eine viermonatige Expedition, verteilt über zwei Jahre, die ich mit 1 OCEAN und der UNESCO durchführe“, erklärt er. „Im Mittelpunkt steht die größte Bewegung von Biomasse auf unserem Planeten. Jedes Jahr ziehen Hunderte von Haien und Walen, Zehntausende Delfine und mehrere Hunderttausend Vögel vor der wilden Küste Südafrikas gen Norden, immer ihrer Beute hinterher: Milliarden von Sardinen in riesigen Schwärmen. Unser Ziel ist es, mit unseren Kompetenzen in der Fotografie und im Filmemachen das Bewusstsein für die Bedrohungen der Artenvielfalt zu schärfen.“
Diese Aufgabe stellte alle Teilnehmenden auf die Probe, sowohl körperlich als auch in Sachen der verwendeten Technik. „Wie Sie sehen, wird Steven von zwei Kaptölpeln eskortiert, die alles andere als freundlich dreinblicken, aber eigentlich waren sie gerade nur auf der Jagd nach ihrem Mittagessen“, berichtet Alexis und lächelt. „Gleichzeitig schießen aber auch jede Menge Haie und Delfine pfeilschnell durch das Fressgelage. Die starken Strömungen, die unzähligen Tiere und die hektische Atmosphäre erschweren das Tauchen. Wird man von einem Wal getroffen, kann man sich schwere Verletzungen zuziehen. Deshalb sind wir unter Wasser stets wachsam, arbeiten paarweise zusammen und geben aufeinander acht.“
„Auch aus fotografischem Blickwinkel gestaltete sich die Arbeit schwierig“, fährt er fort, „denn die gesamte Wanderung vollzieht sich bei sehr schwachem Licht. Deshalb muss man die ISO-Empfindlichkeit erhöhen, um eine ausreichend schnelle Verschlusszeit zu erhalten und Unschärfe zu vermeiden, in diesem Fall auf ISO 1000 bei 1/1000 Sekunde. Unterwasserfotografen setzen in Situationen wie dieser oft auf künstliches Licht, aber aufgrund des ganzen Gewusels war das Wasser stark verwirbelt, sodass man mit einem Blitzlicht oder einer LED nur einen trüben Nebel sehen würde.“
„Beim manuellen Fotografieren mit kurzen Verschlusszeiten steuere ich die Belichtung über die Blende“, berichtet er. „Diese öffne und schließe ich je nach Sonneneinstrahlung oder vertikaler Neigung der Kamera. Bewege ich mich nach unten, öffne ich die Blende, um mehr Licht einzufangen, ansonsten schließe ich sie. Auf diesem Foto sind wir nicht weit von der Wasseroberfläche entfernt, deshalb nutzte ich eine Blende von f/10, um Steven, die Vögel und die Wasserbläschen im Fokus zu halten.“
Die Tiefenschärfe spielte eine wichtige Rolle, meint Alexis, denn Stevens Präsenz ist die treibende erzählerische Kraft auf diesem Bild. „In diesem Moment wird er Zeuge eines außergewöhnlichen Phänomens. Mit unserer Arbeit als Fotografen und Filmemacher wollen wir Botschaften übermitteln, das allerdings stets mit gebührendem Respekt und Verantwortungsbewusstsein.“
„Ein Foto wie dieses“, sagt er abschließend, „ist das Ergebnis langjähriger Taucherfahrung, Vorausschau, technischer Fertigkeiten und geeigneter Ausrüstung. Noch vor wenigen Jahren wäre ich nicht in der Lage gewesen, dieses Foto aufzunehmen, denn es gab noch keine Technologie, um so scharf mit hohen ISO-Empfindlichkeiten zu fotografieren oder unter Wasser derart präzise zu fokussieren. Wir brauchen solche Bilder, um auf das Risiko des Artensterbens aufmerksam zu machen. Und mit Kameras wie der Sony Alpha 1 ist all das möglich.“
Unter der Oberfläche liegt noch eine andere Welt: mein Universum, in dem alles wie in einem atemberaubenden Märchen aussieht.