clownfisch in einem bett aus seeanemonen

Unterwasser-Makro

Pietro Formis

Für Pietro Formis war das Fotografieren weder der Anfang seiner Laufbahn, noch ist es ihr Ende. Vielmehr ist es ein roter Faden, der sich durch seine Erfahrungen in der Tierwelt zieht, seine Entdeckungen bewahrt und ihn zu neuen Erkenntnissen und neuen Zielen führt. Im Laufe der Zeit füllte sich sein Portfolio mit erstaunlichen Meeresbewohnern, allesamt in leuchtenden Farben und mit atemberaubenden Details eingefangen.

in seinem ei zusammengerollter baby-oktopus © Pietro Formis | Sony α1 + FE 90mm f/2.8 Macro G OSS | 1/320s @ f/18, ISO 500

Pietros erste Erfahrungen unter Wasser sammelte er, als er von seinem Vater zu einem Tauchkurs eingeladen wurde. Doch erst die Fotografie verlieh diesem Erlebnis eine neue Dimension. „Wenn man mit dem Tauchen anfängt, lernt man eine erstaunliche, fremde Welt kennen“, sagt er. „Und durch das Fotografieren wird diese Welt auf besondere Weise lebendig. Das macht einen wesentlichen Teil des Nervenkitzels aus. In jeder Aufnahme erkennt man etwas Besonderes, etwas bisher Ungesehenes. Unerwartete strahlende Explosionen mit Stroboskopbeleuchtung. Das ist einfach magisch.“ Jeder, der die Welt schon einmal durch ein Makroobjektiv entdeckt hat, erkennt dies auch in Pietros Arbeit wieder. Bei der Verwendung unter Wasser gibt es ähnlich komplexe Möglichkeiten wie an Land“, sagt er. „Denn auch unter Wasser gibt es Orte, an denen man innerhalb eines Quadratmeters über dem Meeresboden Hunderte von Motiven findet. Riffe sind wie Miniaturwälder, die man erkunden kann. Überall wimmelt es von Leben, zumindest für den Moment.“

kleiner fisch versteckt sich in einer hirnkoralle © Pietro Formis | Sony α1 + FE 90mm f/2.8 Macro G OSS | 1/400s @ f/20, ISO 250

„Eine Schwierigkeit beim Fotografieren unter Wasser besteht natürlich darin, dass man das Objektiv nicht wechseln kann. Und man muss eine Lichtquelle hinzufügen, um Farben sichtbar zu machen, denn ab 10 Metern Tiefe sieht man sonst nur monochromes Blau. Fotografen, die Makroaufnahmen an Land machen, können außerdem Focus Stacking verwenden, aber uns muss alles mit einer Aufnahme gelingen. Denn alles ist in ständiger Bewegung, der Fotograf, das Motiv und das Wasser. Zum Glück machen es die Grundsätze des Fotografierens mit Blitzlicht relativ einfach, Bewegungen unter Wasser einzufrieren“, erklärt er. „Wichtig für gelungene Unterwasserfotos ist das Verständnis dafür, wie das Blitzlicht mit dem natürlichen Licht zusammenhängt. Wenn man das beherrscht, kann man alles kontrollieren und sogar kreativ werden.“

oktopus schwimmt im dunklen wasser © Pietro Formis | Sony α1 + FE 50mm f/2.8 Macro | 1/400s @ f/16, ISO 800

„Bei einem Tauchgang haben wir das kontinuierliche Licht von Taschenlampen genutzt, um zu navigieren, Motive zu finden und zu fokussieren. Für die Schärfe der Bilder ist die Blitzdauer entscheidend“, fährt er fort. „Diese Dauer beträgt in der Regel 1/1000 Sekunde. Aufgrund der niedrigen Blendeneinstellungen wird beispielsweise das verfügbare Licht nicht erfasst, sondern es wird nur der Blitz während der Belichtung aufgenommen. Daher wird er effektiv zur Verschlusszeit, welche die Bewegung des Fotografen und des Motivs im Wasser anhält.“

seepferdchen vor grünem hintergrund © Pietro Formis | Sony α1 + FE 90mm f/2.8 Macro G OSS | 1/5s @ f/20, ISO 320

Pietro spielt auch mit der Beziehung zwischen Blitzlicht und verfügbarem Licht, um seinen Bildern Bewegung und farbenfrohe Hintergründe zu verleihen. „Das Finden des richtigen Hintergrundes ist bei Makro-Kompositionen die halbe Miete. Damit das gut gelingt, kann man zum Beispiel das Taschenlampenlicht oder das natürliche Licht mit dem Blitz kombinieren. Dafür verwende ich eine Belichtung wie f/18 bei 1/5 Sekunde und ISO 400. Dadurch werden sowohl das verfügbare Licht als auch das Blitzlicht aufgenommen. Dinge wie Grünalgen werden dann beleuchtet, während das Motiv eingefroren wird.“ Pietro nutzt für solche Bilder eine Sony α 1 in einem wasserdichten Gehäuse. Die Vorteile dieses Flaggschiff-Modells liegen dabei auf der Hand. „Als ich auf eine spiegellose Kamera umgestiegen bin, war die α 1 meine erste Wahl“, erklärt er. „Der Hauptgrund dafür ist der unglaubliche Autofokus. Denn selbst wenn sich die Motive mit der Strömung bewegen, bleibt die Kamera auf sie fixiert. Das hilft mir bei der Komposition enorm, denn ich kann den Bildausschnitt verändern, ohne je den Fokus zu verlieren.“

bunte meeresschnecke vor dunklem hintergrund © Pietro Formis | Sony α1 + FE 90mm f/2.8 Macro G OSS | 1/60s @ f/18, ISO 200

Zur Beurteilung seiner kreativeren Belichtungen nutzt Pietro den intuitiven Quick AF Live View der Kamera. „Die Vorschau des verfügbaren Lichts macht es ziemlich einfach, die Kombination aus Licht und Blitzlicht zu verstehen“, erklärt er. „Außerdem liebe ich den Burst-Modus mit 20 Bildern pro Sekunde. Denn unter Wasser ändern sich die Winkel ständig und ich habe dadurch alle nötigen Optionen zur Verfügung.“ Auch die Auflösung der α 1 mit 50,1 MP verhilft ihm zu besseren Bildern. „Die Details der Kamera sind fabelhaft“, stimmt er zu, „aber was mich wirklich begeistert, ist, dass ich ganz einfach von horizontalem zu vertikalem Bildausschnitt zuschneiden kann, ohne dass viel Qualität verloren geht. Sonst müssten die Blitze beim Drehen der Kamera neu ausgerichtet werden, was wertvolle Sekunden kosten kann.“

nahaufnahme eines haarigen anglerfisches © Pietro Formis | Sony α1 + FE 90mm f/2.8 Macro G OSS | 1/400s @ f/11, ISO 800

Pietro verlässt sich auf den schnellen Autofokus und die beeindruckende Schärfe des FE 90mm f/2.8 Macro G OSS bei den kleinen Blenden, die für Makroaufnahmen unter Wasser typisch sind. Mittlerweile nutzt er auch das neue FE 100mm f/2.8 Macro GM OSS, eine Weiterentwicklung des 90-mm-Objektivs. Dieses eignet sich mit seiner Vergrößerung von 1,4:1, der Kompatibilität mit 1,4-fach und 2-fach Telekonvertern und dem hervorragenden Autofokus bei schwachem Licht hervorragend für seine Arbeiten. Er nimmt an, dass es künftig ein wichtiges Werkzeug für seine Makroaufnahmen sein wird. „Ich wollte die Meereswelt ursprünglich einfach auf Fotos festhalten. Aber die Bilder sind für mich längst zu einem Weg zu mehr Wissen und Naturschutz geworden“, meint er anschließend. „Ich möchte zu jedem Foto mehr herausfinden ... Und das ist der erste Schritt, das Gesehene nicht nur auf Fotos bewahren zu wollen. Man lernt die Tierwelt, die Ökosysteme, die Unterwasserlandschaft schrittweise besser kennen ... Und Jahr für Jahr, Foto für Foto lernt man, die Natur mehr zu lieben.“

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