Beginnen wir am Ende. Oder zumindest mit einem möglichen Ende. Für den Meeresbiologen Dr. Pelayo Salinas de León war es ein Glücksmoment, den er so schnell nicht vergessen wird. „Es war mein fünfter Besuch im Nationalpark Revillagigedo in Mexiko. Ich war dort, um meinen Freund und Kollegen Dr. Mauricio Hoyos bei der Besenderung von Seidenhaien und anderen Forschungsarbeiten über Mantarochen zu unterstützen,“ erinnert er sich. „Wir haben nicht nur Haie besendert, sondern auch viel mit den anderen Forschern und Parkrangern getaucht, wobei wir natürlich jede Menge Fotos gemacht haben. Es war fantastisch, in diesen beeindruckenden Nationalpark zurückzukehren und zu sehen, was aus ihm geworden ist: ein florierendes Gebiet, ruhig und unberührt, wo die ganze bunte Vielfalt der Unterwasserwelt zu finden ist.“
Dann geschah etwas Seltsames. Als Pelayo und seine Kollegen bemerkten, dass einer der Großen Tümmler in 33 Metern Tiefe auf dem Rücken lag, waren sie ein wenig irritiert. „Der Delfin lag drei oder vier Minuten lang da und bewegte sich nicht“, erklärt er. „Wir fragten uns, was da los war. Schließlich begriffen wir, dass er sich tot stellte, wie ein kleiner Hundewelpe. Er wollte einfach, dass wir seinen Bauch streicheln. Obwohl sie wilde Tiere sind, lieben die Delfine es, mit den Menschen zu spielen.“
Der Nationalpark Revillagigedo ist ein wahres Idyll, das laut Pelayo nur durch die Anstrengungen und die Durchsetzung von Schutzmaßnahmen der mexikanischen Regierung in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen wie Pelagios Kakunja, die sein Kollege Mauricio mitbegründet hat, möglich wurde. „Die Behörden haben mit der Errichtung dieses riesigen Reservats einen großen Schritt gewagt. Es ist das größte Fangverbotsgebiet in Nordamerika, was bedeutet, dass dort nicht gefischt werden darf. Es wurde viel Geld in den Schutz investiert – und heute gedeiht das Unterwasserleben hier prächtig. Wenn man ins Wasser springt, trifft man auf Haie, Rochen, Delfine und Wale ... So können die Ozeane ohne die schädlichen Aktivitäten der Menschen aussehen.“
Doch leider ist Revillagigedo nicht die Norm. Denn wenn nicht bald drastische Maßnahmen ergriffen werden, droht den Ozeanen ein weitaus düstereres Ende als Pelayos schöne Erfahrung in den warmen Gewässern Mexikos. „Die Weltmeere sind durch die zerstörerische Kraft des Menschen in großer Gefahr“, sagt er. „Die Lebensraumzerstörung, Umweltverschmutzung und der Klimawandel haben unserem blauen Planeten schon viel zu lange zugesetzt. Viele Arten – und die Ökosysteme, in denen sie leben – befinden sich in einem gravierenden Zustand.“
Ein Großteil des Problems, so Pelayo, liegt in der Überfischung der Megafauna der Meere, wie es bei den Haien zu sehen ist. Er hat sein ganzes Leben damit verbracht, Haie zu studieren und sich für ihren Schutz zu engagieren, entgegen den grundlos negativen Vorurteilen, die sich leider hartnäckig halten. „Im Gegensatz zu vielen anderen Raubtieren haben Haie eine schreckliche PR“, gibt er zu. „Die Meinung der meisten Menschen basiert auf Filmen wie ‚Der weiße Hai’. Dieser Film hat ihrem Schutz sehr geschadet – das Bild, das man von Haien hat, leidet noch heute, 50 Jahre später, sehr darunter.“
„Angst wird vom Unbekannten getrieben“, fährt er fort. „Die Leute denken, dass sie im Meer sofort gefressen werden, dabei wird Ihnen jeder Meeresbiologe sagen, dass die Realität ganz anders aussieht. Wir wissen auch, dass die meisten Menschen gar nicht erst mit dem Meer in Berührung kommen. Viele können weder schwimmen noch tauchen. Sie sehen nur das, was in den Medien gezeigt wird. Die Oberfläche mit dem Unbekannten darunter. Ich bin ständig mit Haien im Wasser und fühle mich sehr wohl, also ist es meine Aufgabe, diese Botschaft so weit wie möglich zu verbreiten.“
„Aufgrund falscher Vorstellungen sind Haie nicht so gut geschützt wie andere Megafauna – und so werden sie immer näher an den Rand der Ausrottung gefischt. Viele glauben, dass der Hauptgrund dafür der asiatische Markt für Haifischflossen ist, aber Sie wären überrascht, in wie vielen Ländern der Welt Haie gejagt werden. Einer der wichtigsten Haifanghäfen ist Vigo in Nordspanien, von wo aus die Flossen nach Asien verschifft werden und ein großer Teil des Haifleisches auf den normalen Speiseplan kommt. Studien haben gezeigt, dass es sich bei Fish and Chips oft nicht wie angegeben um Kabeljau oder Schellfisch handelt, sondern um eine Haiart.“
Dabei gefährdet die Verfolgung der Haie das gesamte Ökosystem: „Die Natur funktioniert seit Millionen von Jahren perfekt, doch wir können sie leicht durcheinanderbringen. Haie sind die Ärzte des Ozeans, sie regulieren die Nahrungsnetze und sind darauf spezialisiert, die langsamen, schwachen und kranken Tiere zu jagen. Werden diese an der obersten Stelle stehenden Räuber aus der Kette entfernt, kommt es zu einer Überpopulation der unteren Gruppen und das System gerät aus dem Gleichgewicht.“
Wie also kann man die vorherrschenden Wahrnehmungen ändern und ein besseres Lebensumfeld für Haie und andere Meeresbewohner schaffen, wie es in Revillagigedo zu finden ist? Für Pelayo sind die Fotografie und das Filmemachen ein Teil der Antwort. „Die Unterwasserwelt – was sich unter der Oberfläche abspielt – ist uns verständlicherweise fremd. Es ist eine riesige und sehr herausfordernde Umgebung. Indem ich die letzten unberührten Orte unseres blauen Planeten erforsche, studiere und fotografiere, möchte ich die Schönheit der Ozeane mit den Menschen teilen, damit sie einen Bezug dazu bekommen und sich für ihren Schutz einsetzen.“
„Natürlich ist es mein Job, Daten zu sammeln und wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen, und das ist auch wichtig. Andererseits sind das Dinge, die nur die Kollegen in meinem Fachgebiet lesen. Ein breites Publikum zu erreichen, ist etwas anderes. Wenn man wissenschaftliche Fakten und Erkenntnisse in etwas übertragen kann, das für den Durchschnittsmenschen von Bedeutung ist, kann das sehr viel bewirken. Deshalb tauche ich auch nie ohne Kamera. Ich möchte keinen Moment verpassen, der die Meinung eines anderen Menschen ändern könnte.“
„Das Tauchen im Revillagigedo war mein erstes Abenteuer mit der Sony Alpha 1“, erinnert er sich. „Diese Kamera ist für die Unterwasserfotografie einfach fantastisch. Beim Tauchen geht viel Licht verloren, doch der große Sensor und der beeindruckende native und erweiterte ISO-Bereich der Alpha 1 gleichen das perfekt aus. Da ich sowohl Fotos als auch Videos aufnehme, sind natürlich auch die hervorragenden Videofunktionen ideal für meine Arbeit.“
In dem wasserdichten Isotta-Gehäuse, das speziell für die Kamera entwickelt wurde, hat Pelayo bei dieser Reise die Sony Alpha 1 mit einem FE 16-35mm f2.8 GM II Objektiv kombiniert: „Da ich große Tiere wie Haie, Mantarochen und Delfine zusammen mit Unterwasserlandschaften wie Steilwänden und dem offenen Meer fotografieren wollte, war die Verwendung eines solch hochwertigen Weitwinkel-Zoomobjektivs unerlässlich. Unter Wasser kann man nicht ohne weiteres Teleobjektive verwenden. Und natürlich muss man mit einem Weitwinkelobjektiv näher an das Motiv heran, was aber nur beweist, dass man Haie nicht fürchten muss.“
„Im Revillagigedo haben wir gesehen, dass eine bessere Zukunft für unsere Ozeane möglich ist“, meint er abschließend. „In dem Moment, in dem man Gebiete für den Fischfang und andere negative menschliche Aktivitäten sperrt, hat der Ozean eine erstaunliche Regenerationskraft und kann sich auf natürliche Weise heilen. Das ist das Erfolgsrezept. Die Convention of Biological Diversity hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 30 % der Ozeane auf diese Weise zu schützen. Dann müssen es aber auch echte Schutzgebiete sein, die nicht nur dem Namen nach geschützt sind.“
„Wenn wir sehen, was der Ozean sein kann, dann verstehen wir auch den Weg zu einem besseren Planeten. Wir wissen, dass die Meere gesünder sind, wenn wir sie respektieren, und dass sie im Gegenzug das Klima der Erde regulieren, uns ernähren, uns unterhalten und den größten Teil des Sauerstoffs produzieren, den wir einatmen. Ihre Bedeutung liegt klar auf der Hand. Und jedes Foto, das ich mache, hilft mir, das zu unterstreichen.“