In den letzten zehn Jahren konnte ich in der Fotografie eine Entwicklung hin zu immer größeren Sichtfeldern beobachten. Dieses neue 20–70-mm-Objektiv entspricht diesem Trend und stellt die Vorstellung von einem „Standard“-Zoombereich in Frage.
Mein Name ist Liam Man, ich bin Sony European Creator und komme aus Großbritannien. Wie bei vielen anderen Profis auch, hat das 24-70mm G Master einen festen Platz in meiner Tasche. Es deckt einen recht weiten bis kurzen Telebereich ab und eignet sich hervorragend für unterwegs. Es kommt jedoch vor, dass 24 mm nicht ausreichen und ich gezwungen bin, auf ein spezielles Weitwinkelobjektiv zurückzugreifen.
Mit der Erweiterung des Zoombereichs auf 20 mm soll das neue FE 20-70mm f/4 G dieses Problem lösen. Um herauszufinden, ob die zusätzlichen 4 mm wirklich einen Unterschied machen, habe ich mein 16-35mm f/4 G zu Hause gelassen und einige Tage lang die alten Lorbeerwälder von Madeira mit dem neuen Objektiv erkundet.
Eine Kamera. Ein Objektiv. Ein Abenteuer.
Dies ist das erste 20–70-mm-Objektiv, das es je gab. Was waren deine ersten Eindrücke?
Wie andere G-Objektive besitzt es die mir vertraute robuste Polymerkonstruktion, die das Gewicht bei etwas mehr als 500 Gramm hält. Das ist weniger als die Hälfte des Gewichts meiner üblichen 16–35-mm- und 24–70-mm-Modelle. Nachdem ich die Objektive auf die Kameragehäuse der Alpha 7R V und der Alpha 7 IV aufgesetzt hatte, fühlten sich beide gut ausbalanciert an.
Was die Funktionen angeht, habe ich mich über zwei programmierbare Fokushaltetasten und meine bevorzugte Konfiguration aus drei Ringen gefreut: Fokus-, Zoom- und manueller Blendenring. Der manuelle Blendenring ist besonders beim Fotografieren von Landschaften wichtig. Ich möchte die Blende einstellen und dabei sicher sein, dass ich sie dann nicht versehentlich zwischen den Aufnahmen ändere.
Das Objektiv zoomt nach außen, das heißt, es verlängert sich im Telebereich, doch das ist ein guter Kompromiss für die überraschende Kompaktheit bei 20 mm. Ich weiß die Einfachheit eines Setups mit nur einem Objektiv und die Bequemlichkeit, nie das Objektiv wechseln zu müssen, sehr zu schätzen. Da ich für meine Reise nur eine kleine Kameratasche gepackt hatte, blieb noch genug Platz für andere Utensilien wie Wechselkleidung, Proviant und elektronische Geräte. Dies erwies sich bei dem extrem wechselhaften Wetter auf Madeira als wahrer Segen.
Wie groß ist der Unterschied zwischen 20 mm und 24 mm?
4 mm klingt nicht viel, macht aber einen großen Unterschied. Bei 24 mm beträgt das Sichtfeld etwa 84 Grad, bei 20 mm sind es jedoch fast 95 Grad. Dadurch ist es viel einfacher, Elemente im Vordergrund in die Komposition einzubeziehen. Außerdem haben die Bilder mehr Platz zum Atmen und wirken weitläufiger. Ich habe schon immer lieber weitere Bilder gemacht, vor allem mit den heutigen hochauflösenden Sensoren, da ich so in der Nachbearbeitung die Flexibilität habe, sie für verschiedene Medienplattformen zu beschneiden und in der Größe anzupassen.
Auf dem Bild unten sieht man einen wunderschönen Baum, der sich in den Himmel schraubt. Er war nicht groß, nur ein paar Meter hoch. Die Aufnahme mit 20 mm betont die Form des Baumstamms, der sich spiralförmig zur Bildmitte bewegt. Ich musste die Kamera fast flach auf den Boden legen, um die Aufnahme so hinzubekommen, und war dankbar dafür, wie weit dieses Objektiv ist. Nur mit 20 mm konnte ich das Motiv mit dem nächtlichen Sternenhimmel umrahmen und den negativen Raum nutzen, um dem Baum in einen Kontext zu setzen.
Tagsüber wollte ich das Gefühl einfangen, von den sich windenden Ästen des Feewalds umgeben zu sein. Ich positionierte das Objektiv direkt unter einem der Äste und achtete darauf, die Komposition oben und auf der rechten Seite mit dunklen Elementen zu umrahmen. Dadurch entsteht das Gefühl, umschlossen zu sein, und der dunkle Schatten unten links im Bild wird ausgeglichen. Durch die Verwendung von 20 mm wird die „Linsenkomprimierung“ reduziert und die verschiedenen Ebenen der Szene – von der Person bis zu den Ästen in der Mitte und den Elementen im Vordergrund – werden besser voneinander getrennt, wobei die akzentuierten Führungslinien für mehr Tiefe und Dynamik sorgen.
„Standard“-Zoomobjektive werden häufig von Videofilmern verwendet. Wie fandest du das Drehen mit dem 20-70mm f/4 G?
Für Run-and-Gun-Aufnahmen sind Tragbarkeit und Vielseitigkeit von entscheidender Bedeutung. Dieses Objektiv erfüllt beide Anforderungen und ist so leicht, dass es an kleineren Gimbals verwendet werden kann. Da kein Objektivwechsel nötig ist, wenn man weiter als mit 24 mm fotografieren möchte, muss der Gimbal nicht komplett neu ausbalanciert werden, was den Prozess beschleunigt und es einem ermöglicht, sich auf das Finden kreativer Szenen zu konzentrieren.
Mein Besuch auf Madeira fiel zufällig mit einem Tropensturm zusammen, sodass sich Objektivwechsel auf ein Minimum beschränkten. Es war fantastisch, dass ich mich auf die Wetterfestigkeit verlassen und weiter fotografieren konnte.
Wie fandest du die Leistung des Objektivs?
Ich fand die Bildqualität über den gesamten Brennweiten- und Blendenbereich hinweg großartig. Gerade die Alpha 7R V ist eine sehr kritische Kamera mit superhoher Auflösung, bei der alle visuellen Abweichungen deutlich zu sehen sind.
Selbst bei Aufnahmen des nächtlichen Sternenhimmels, einem optisch anspruchsvollen Motiv, konnte ich nur eine sehr geringe Verzerrung der Sterne feststellen. Dank der vielen Details, die das Objektiv bei Tagaufnahmen auflöst, konnte ich die Umgebung zu Hause, als ich mit der Bearbeitung begann, ein zweites Mal erleben.
Ich habe unter verschiedensten Bedingungen fotografiert: Wind, Regen und Nebel. Selbst als ich bis auf die Haut durchnässt war, hat das Objektiv den Elementen getrotzt und es mir erlaubt, weiter zu fotografieren.
Hast du einen Rat für Leute, die ein „Standard“-Zoomobjektiv kaufen möchten?
Ganz gleich, ob ihr euch für dieses 20-70mm, ein 24-70mm oder ein 24-105mm entscheidet – ihr könnt nichts falsch machen. Ich habe die meisten meiner Lieblingsaufnahmen mit diesen Objektiven gemacht und sie liefern alle großartige Bilder.
Ich würde euch raten, eure Fotos durchzugehen und zu sehen, zu welchen Brennweitenbereichen ihr euch am meisten hingezogen fühlt. Mögt ihr die Komprimierung eines Tele- oder die Dynamik eines Weitwinkelobjektivs? Das ist eine Frage, die nur ihr selbst beantworten könnt.
Solltet ihr euch immer noch nicht entscheiden können, geht ihr am besten in ein Kamerageschäft in eurer Nähe und probiert es einfach mal aus.
Liam Man ist ein Bildersteller und Reisefotograf aus Großbritannien