silhouette zweier boxer am strand in der abenddämmerung

Lucie Bertaud: Ihre Rache

Pauline Simon

Das Treffen:Ich traf Lucie Bertaud zum ersten Mal am Set von The Island: l'île du bagne, einer Survival-Show im malaysischen Dschungel. Über zehn intensive Tage hinweg haben wir eine echte Verbindung zueinander aufgebaut. Als Lucie mir ihre Geschichte erzählte, war ich sofort von ihrer Stärke und Standfestigkeit beeindruckt. Es war klar, dass ihre Reise mehr als Worte verdiente – sie musste auf Film festgehalten werden. Also schlug ich vor, einen Dokumentarfilm über sie zu drehen.

© Pauline Simon

Die Mission:Um Lucies Idee der „Rache am Leben“ in eine visuelle Geschichte zu übersetzen, musste ich mich auf Rhythmus und Kontrast fokussieren. Ich balancierte hohintensive Sequenzen mit Momenten stiller Reflexion aus, indem ich energiegeladene Musik für kraftvolle Momente und langsamere Szenen für Verletzlichkeit verwendete. Mein Ziel war es, das Publikum in Lucies emotionale Höhen und Tiefen eintauchen zu lassen und ihre Rückschläge, Durchbrüche und – schlussendlich – die Wiedererlangung ihrer Stärke zu zeigen.Den Bogen finden:Ich beginne Interviews immer mit leichteren Themen, um Vertrauen aufzubauen. Lucies Bereitschaft, schwierige Erinnerungen wieder aufleben zu lassen, brachte echte Emotionen mit sich – Tränen, Pausen und ehrliche Verletzlichkeit. Ich setzte auf Geduld und Empathie, um ihr den Raum zu geben, sich mitzuteilen, und dafür zu sorgen, dass sie sich sicher und unterstützt fühlt. Das Schwierigste für mich war, nicht einzugreifen, und ihre Emotionen vor der Kamera natürlich durchkommen zu lassen.

Lucie Bertaud im Interview vor Kamera © Pauline Simon

Kreative Vision:Die Dreharbeiten in Thailands „Straße der Kämpfe“ waren eine Herausforderung. Die Hitze, Feuchtigkeit und konstante Energie der Fitnessstudios erforderten einen flexiblen, reaktiven Ansatz. Ich hielt meine Ausrüstungskonfiguration leicht, nutzte die hellsten Ecken und verließ mich auf eine Kamera mit einstellbarem ISO. So konnte ich immersive Aufnahmen machen, ohne den Trainingsfluss im Fitnessstudio zu beeinträchtigen.

zwei boxer beim sparringstraining © Pauline Simon

Emotionale Texturen:Mit der FX3 Kamera konnte ich mich nahtlos zwischen den hellen, chaotischen Straßen Thailands und den schummrigen, intimen Räumen bewegen, in denen Lucie über ihre Vergangenheit sprach. Dank des Dynamikumfangs und der hohen ISO-Werte konnte ich sowohl die Energie der Umgebung als auch die Verletzlichkeit von Lucies Erinnerungen einfangen und so eine kohärente emotionale Reise für das Publikum schaffen.Ausrüstung und technische Ausführung:Der AF und die interne Stabilisierung der FX3 waren für die rasante Action im Fitnessstudio unerlässlich. Mit 120 Bildern pro Sekunde aufzunehmen ermöglichte Zeitlupensequenzen, die die Intensität und Emotionen der Kämpfe verstärkten. Ich habe alles in S-Log3 aufgenommen, um maximale Flexibilität in der Postproduktion zu haben und auch bei extremen Lichtverhältnissen einen einheitlichen, filmischen Look über alle Aufnahmen hinweg zu gewährleisten.

zwei boxer trainieren im fitnessstudio © Pauline Simon

Kraftvoller Sound:Die Klangtexturen eines Muay Thai-Fitnessstudios einzufangen war entscheidend. Ich habe ein kompaktes Sony ECM-B1M Mikrofon für Live-Interaktionen verwendet, und kabellose Mikrofone während der Ringsessions. In der Postproduktion habe ich jeden Schlag, jeden Atemzug und jede stimmliche Nuance akribisch ausgearbeitet, um die Immersion und die emotionale Wirkung zu erhöhen.BTS-Herausforderungen:Dieses Projekt erforderte ständige Anpassung. Die ersten Tage verbrachte ich damit, die Umgebung zu erkunden und zu verstehen – und manchmal fing ich dabei Dinge ein, die mich dazu brachten, Teile des Dokumentarfilms in der Postproduktion umzuschreiben. Lucie leitete eine große Gruppe, was manchmal den Zugang zu bestimmten Sequenzen einschränkte. Flexibilität und Problemlösungen wurden genauso wichtig wie die ursprüngliche kreative Vision.

motorräder rasen in thailand an einem supermarkt vorbei © Pauline Simon

Unsichtbar bleiben:Um in stressigen Momenten unauffällig zu bleiben, verwendete ich oft längere Objektive und verbrachte die erste Woche damit, Vertrauen zu Lucie und ihren Schülern aufzubauen. Als sie sich an meine Anwesenheit gewöhnt hatten, verhielten sie sich natürlich und ermöglichten es mir, authentische Momente einzufangen.Den Elementen trotzen:Das Klima in Thailand kann brutal sein, aber die Ausrüstung von Sony hat einwandfrei funktioniert. Ich wählte Geräte, auf die ich mich verlassen konnte, damit ich die Geschichte erzählen konnte, ohne mir Gedanken über technische Probleme machen zu müssen.Wirkung und Einfluss:Ich hoffe, Lucies Geschichte inspiriert jeden, der mit Widrigkeiten konfrontiert ist. Ihre Reise zeigt, dass es möglich ist, traumierende Erlebnisse zu überwinden und wahre Größe zu erreichen, selbst wenn man bei Null anfängt. Sie ist eine Erinnerung daran, an seinen Träumen festzuhalten, Raum für sich einzufordern – besonders als Frau in einer von Männern dominierten Welt – und daran zu glauben, dass, wenn Lucie es kann, du es auch kannst.

Lucie Bertaud sitzt am Strand © Pauline Simon

Ratschläge für Filmemacher:Fangt damit an, eure Geschichte klar zu definieren. Sobald ihr verstanden habt, welcher Linie ihr folgen wollt, vertraut auf eure Kamera. Wählt ein oder zwei Lieblingsobjektive aus und bleibt dabei. Lasst nicht zu, dass technische Bedenken die Geschichte überschatten – mit der FX3 könnt ihr euch auf das Erzählen konzentrieren, weil ihr euch darauf verlassen könnt, dass sie mit der Geschichte mithalten kann.Die letzte Aufnahme:Obwohl keine einzelne Aufnahme alles einfängt, bin ich besonders stolz auf die Sequenzen im Fitnessstudio. Mit Licht, Menschenmassen und Chaos fertig werden zu können – und das mit minimaler Ausrüstung –, hat mir gezeigt, wie sehr ich als Filmemacherin gewachsen bin. Diese Freiheit und Anpassungsfähigkeit markierten einen echten Wendepunkt in meiner kreativen Herangehensweise.

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