Eine Eule fliegt an einem Baum vorbei

Bleiben Sie nah dran

Paul Browning

Auf ein paar kostbaren Kilometern Grünfläche zwischen den Autobahnen M3 und M4 liegt westlich von London die Landschaft rund um Bracknell, die vielleicht nicht auf den ersten Blick der ideale Ort für die Beobachtung der Tierwelt ist. Für den Fotografen Paul Browning ist sie jedoch genauso spannend wie die Serengeti. „Es gibt einen See“, erzählt er, „nur etwa dreißig Minuten von meinem Wohnort in Surrey entfernt, und an diesen See fahre ich jetzt seit sechs Jahren. Hier hat ein brütenden Haubentaucher-Pärchen sein Zuhause. Jeden Frühling beobachte ich sie mit ihren Küken auf dem Rücken, die sich unvermeidlich die Reiher holen. Aber im nächsten Jahr ist das unerschrockene Pärchen wieder da. Ich habe mich an sie gewöhnt, als wären sie meine Haustiere, obwohl sie nicht einmal wissen, dass ich hier bin.“

Ein großer Brachvogel sitzt im Laub © Paul Browning | Sony α1 + FE 400mm f/2.8 GM OSS + 1.4x Teleconverter | 1/400s @ f/4.0, ISO 500

Das ist Pauls Sicht. Die Tierwelt kann überall Freude bereiten, wenn man sich auf die Suche nach ihr macht. „Das ist das dritte Jahr, in dem ich ausschließlich die britische Tierwelt fotografiere“, erklärt er. „Früher reiste ich nach Europa, um Wild wie Bären und Wölfe zu fotografieren. Es gibt jedoch viele Gründe, warum es sich für mich lohnt, zu Hause zu bleiben.„Organisierte Touren und Veranstaltungen sind zu touristisch“, sagt er. „Die Raubtiere werden mit anderen Tieren, die als Köder dienen, aus ihren Verstecken hervorgelockt. Das ist nichts für mich. Ich bin so viel glücklicher. Ich erfahre mehr über meine eigene Umgebung und kann diese Arten in freier Wildbahn beobachten und fotografieren. Es wäre sicher einfacher, eine Tour zu bezahlen, in einen Minibus zu steigen und mit Falknern oder in Wildparks zu fotografieren, aber für mich ist das Haustier-Fotografie. Ich dagegen folge der Tierwelt zu allen Jahreszeiten und in ganz Großbritannien.“

Eine Elster sitzt im Regen auf einem Ast © Paul Browning | Sony α1 II + FE 400mm f/2.8 GM OSS | 1/400s @ f/4.0, ISO 160

Browning hält auch Vorträge über seine Erfahrungen unter dem Titel „Dem Licht nachjagen, den Jahreszeiten folgen“. „Ich versuche zu zeigen, dass es hier zu Hause eine wunderschöne Tierwelt gibt“, erklärt er. „Man muss nicht 20.000 Euro für eine Reise nach Afrika ausgeben. Gehen Sie hinaus und lauschen Sie den Vögeln in Ihrem Garten. Stellen Sie ein Futterhaus und einige Äste als Sitzstangen auf. Das kann man leichter bewerkstelligen und ich finde, es ist ehrlicher und lohnt sich.“ In diesem Jahr hat Paul außerdem auf seinem Instagram-Account 30 fünfseitige Anleitungen zum Fotografieren britischer Wildtiere veröffentlicht.Bevor er seinen Weg zur Naturfotografie fand, lagen viele unterschiedliche Stationen wie Drum& Bass-DJ und ein von ihm betriebener Plattenladen hinter ihm und er war sogar professioneller Snowboard-Fotograf. „In diesem Job erreichte ich meinen größten Erfolg als offizieller Fotograf des britischen Teams beim Snowboard-Weltcup“, sagt er. „Dabei fotografierte ich oft Wildtiere auf der Piste, während ich auf Sportler wartete. Dann kamen die Covid-19-Lockdowns, und ich nahm viele Makro zu Hause im Garten auf. Ich wurde zu BBC Springwatch eingeladen, weil sie sich dafür interessierten, warum ein Sportprofi Bienen fotografiert! Als die Lockdowns vorbei waren, wurde mir klar, wie viel Freude es mir bereitet.“„Seitdem wollte ich andere dafür begeistern“, fährt er fort. „Vor allem, weil die Natur das Leben verändern kann. Ich bin nicht nur am See bei Bracknell. Hier in der Nähe gibt es auch ein Stück Wald mitten auf einem Anwesen. Es ist nur einhundert Quadratmeter groß, aber voller Leben. Es gibt Buntspechte, Zaunkönige... es ist eine Goldmine. Die Vögel bringen den Verkehr zum Schweigen und man fühlt sich gleich besser.“

Ein anmutiger Turmfalke im Sturzflug © Paul Browning | Sony α1 II + FE 600mm f/4 GM OSS | 1/2500s @ f/4.0, ISO 1250

„Unser Land ist wunderschön und Wildtiere sind ganz in der Nähe zu finden“, fährt er fort. „Fahren Sie nach Norfolk, nur ein paar Stunden von London entfernt, und es ist, als wäre die Stadt unendlich weit weg. Beobachten Sie Hasen und Bussarde, Turmfalken und Füchse, oder besuchen Sie Naturreservate wie RSPB Leighton Moss, wo ich regelmäßig bin, um wunderschöne kleine Vögel wie die Bartmeise zu beobachten. Die Bartmeise gibt es häufig, jedoch verbringt sie die meiste Zeit tief im Schilf. Man muss warten, bis sie zum Fressen herauskommt.“

Ein Hase läuft schnell vorbei © Paul Browning | Sony α1 II + FE 600mm f/4 GM OSS | 1/2000s @ f/4.0, ISO 100

Das Fotografieren in der Wildnis macht einen großen Teil von Pauls Arbeit aus, doch er gibt offen zu, dass er diese Fähigkeiten nicht von heute auf morgen erworben hat. „Ich habe viel dafür getan, die Tierwelt zu verstehen“, sagt er. „Auch im Sport musste ich warten, jedoch wusste ich, dass auf der Strecke auf jeden Fall etwas zu sehen sein wird. Bei Wildtieren muss ich mehr investieren, planen und recherchieren... Wenn dann alles funktioniert, bedeutet es, dass ich es wirklich verdient habe. Es erfüllender als alles, was ich zuvor gemacht habe.“Im Eifer der Jagd vergisst er manchmal beinahe zu fotografieren. „Ich muss alles zusammenfügen, nach Anzeichen von Leben suchen, Spuren und Kot, und dann im Dunkeln zurückkehren und stundenlang im Gebüsch warten … das ist alles so aufwendig, dass es eigentlich schon ausreichen würde, endlich das zu sehen, weshalb ich gekommen bin“, sagt er. „Aber mich interessiert auch die ästhetische Seite, weil ich Kunst studiert habe. Ich möchte immer eine bestimmte Komposition oder ein besonderes Licht. Wenn ich eine Schleiereule fotografiere, stelle ich mir den perfekten Ort vor, den Hintergrund, den Negativraum, die Pose, in der sie mit ihrer Beute einfliegt… es ist eine Art Zwang. Ich möchte das Kunstwerk schaffen, das ich mir vorgestellt habe, und mit den Wildtieren, auf die ich so lange gewartet habe.“ Seine Sony Ausrüstung habe ihm neue Möglichkeiten eröffnet, sagt Paul. „Ich verwende jetzt eine α 1 und eine α 1 II. Ich kenne diese Kameras in- und auswendig, und kann sie mit verbundenen Augen bedienen. Man darf nicht erst überlegen, wie man die ISO-Einstellung ändert, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Funktionen wie der unglaubliche Vogel-AF sorgen außerdem dafür, dass ich auf dem Bildschirm nur noch auf mein Histogramm achten muss.."

Paul Browning sitzend mit seiner Sony α Kamera © Paul Browning

„Ich freue mich wirklich auf den Pre-Capture-Modus als neue tolle Ergänzung“, fährt er fort. „Wer viel beobachtet, kann vorhersagen, wann sich ein Tier bewegt, aber alle Tierfotografen haben es schon einmal verpasst, wenn ein Vogel abhebt. Du denkst, es hat geklappt, aber zu sehen sind nur die Beine des Vogels in der oberen Ecke über einem leeren Nistplatz! Pre-Capture nimmt ständig auf und man hat eine Art Gnadenfrist. Kein Moment wird verpasst, und mit der schnellen Kamera mit 30 Bildern pro Sekunde erhalte ich Flügelformen, die ich noch nie zuvor gesehen habe!“Paul hat nicht nur selbst erlebt, welche Vorteile eine Verbindung zur heimischen Tierwelt mit sich bringt, sondern auch, welchen Nutzen sie für andere hat. „Als eine Nachbarin von mir wegen einer Erkrankung zu Hause bleiben musste, nahm ich sie einmal in der Woche mit über den Common, um die Vögel und Wildtiere zu beobachten, rauszukommen und die Natur zu spüren. Jetzt möchte sie immer wieder gehen. Meine Mutter hat früher nie auf Vögel geachtet. Ich zeigte ihr, wie man auf dem Fluss nach einer Wasseramsel sucht und erklärte ihr die Vogelstimmen. Jetzt schreibt sie mir ständig, was sie gesehen hat.“

Grünfink im Flug © Paul Browning | Sony α1 II + FE 600mm f/4 GM OSS | 1/2500s @ f/4.0, ISO 500
Das geschieht oft, wenn ich andere dazu bringe rauszugehen, und wenn es nur ein Spaziergang die Straße hinunter oder in den Wald in der Nähe ihres Hauses ist. Die britische Tierwelt ist wunderschön. Die Leute legen das Handy weg, und beginnen die Welt um uns herum zu schätzen.“

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