Inmitten eines trockenen und rauen Wüstengrenzgebiets bewegt sich eine struppige Bande durch feindliches Gebiet, in dem eindrucksvolle Charaktere in einem erbarmungslosen Überlebenskampf aufeinandertreffen. Was wie die Handlung eines klassischen Western-Films klingt, bringt Chris Schmids neuestes Dokumentarfilmprojekt „Bone Dry“ präzise auf den Punkt.
Aber während Western-Filme und -Serien oft Moralisches im Kampf gegen das Chaos zeigen, geht es hier nur um das reine Überleben. „Es ist ein Film über den Kreislauf des Lebens“, erklärt Chris, „in dem wir die jährliche Wanderung der Gnus vom Süden der Serengeti in den Norden und wieder zurück verfolgen. Sie folgen dem Regen und den frischen Gräsern, aber ihre Reise ist gefährlich. Sie müssen reißende Flüsse überqueren und Raubtieren wie Krokodilen, Löwen, Geparden und Hyänen ausweichen. Für unser Projekt haben wir diese Reise allerdings wie einen klassischen Western dargestellt.“
Was also hat Chris zu diesem kreativen Ansatz bewogen? „Es gibt viele Naturdokumentationen zu diesem Thema und haufenweise Online-Videos, die um Aufmerksamkeit konkurrieren. Deshalb wollten wir wirklich etwas Frisches und Überzeugendes machen“, sagt er. „Die Erzählweise ist sachlich, weil es wichtige Dinge zu verstehen gibt und das Publikum daher keine phantasievollen Erzählungen will. Aber wir können bestimmte bildliche Ausdrucksweisen und Werkzeuge aus dem Kino nehmen, um das Erzählte fesselnder zu machen. Ich hoffe, dass die Leute dadurch innehalten und aufmerksam werden.“
Eines dieser Tools ist das Zeigen von Charakteren, was laut Chris nur durch Hingabe und langes Filmemachen erreicht werden kann. „Für dieses Projekt drehen wir etwa ein halbes Jahr lang mit Unterbrechungen“, erklärt er. „Es beginnt im April, dann folgen wir im Juni, Juli und August der Wanderung nach Norden. Im November geht es dann zurück in den Süden. In dieser Zeit können wir eine Erzählung entwickeln und uns auf bestimmte Tiere und Familiengruppen konzentrieren. Das gilt sowohl für die Gnuherde als auch für die Raubtiere, die auf sie angewiesen sind.“
„In diesem Film“, fährt er fort, „schenken wir auch den 'Nebendarstellern' viel Aufmerksamkeit. Vor allem den Hyänen, die sonst oft im Schatten der Löwen und Geparden stehen. Eines der Hauptziele des Films ist es, diesen Tierarten eine Stimme zu geben. Hyänen werden in der Fiktion oft zu Unrecht als die 'Bösen' und als fies, intrigant und feige dargestellt. Im Kontext dieses Films können wir jedoch zeigen, dass das eine karikaturhafte Darstellung ist, nicht ihr wahrer Charakter.“ „Hyänen“, fährt er fort, „haben nicht nur eine feste Rolle innerhalb ihres Rudels, die starke Familienbande haben. Sie sind auch so schlau wie Schimpansen. Zudem spielen sie eine wichtige Rolle für das Ökosystem. Dank ihnen und anderen Aasfressern gibt es in der Serengeti fast keine Krankheiten. Natürlich sind sie immer noch Hyänen. Aber wenn sie ein Tier töten, dann deshalb, weil sie ihre Jungen ernähren müssen oder um der Konkurrenz durch andere fleischfressende Arten zu entgehen.“ „Ähnlich ist es mit den Gnus“, sagt er. „die Leute denken oft, dass die Herde eine Einheit ist. Aber wenn man sich die Zeit nimmt, sie zu studieren, sind sie alle Individuen. Es gibt viele kleine Familiengruppen, in denen Onkel und Tanten zum Schutz zusammenbleiben. Das sieht man beispielweise, wenn sie sich beim Überqueren eines Flusses gegenseitig unterstützen.“
„Wenn wir das Bewusstsein schärfen und Empathie schaffen, können wir die Menschen motivieren, diese Arten und damit das gesamte Ökosystem zu schützen“, fährt Chris fort. „Und es gibt dort viele Bedrohungen. Da die Hyänen nicht wandern, müssen sie auch irgendwie überleben, während sie auf die Rückkehr der Gnus warten. Das ist an sich schon schwierig, aber mittlerweile leiden sie auch unter immer mehr Landwirtschaft. Dadurch müssen diese Arten in immer kleineren Gebieten überleben. Es gibt also viel mehr Wettbewerb um Nahrung und mehr Konfrontation zwischen ihnen. Und durch den Klimawandel steigen die Temperaturen und es regnet weniger“, sagt er. „Es gibt also mehr Wüste, weniger Nahrung, weniger Weideflächen und die Populationen nehmen ab. Also Druck von allen Seiten. Man erlebt das ja auf der ganzen Welt. Wenn man einen Teil eines Systems zerstört, wirkt sich das auf andere aus.“
Für seine naturkundliche Dokumentation im Stil eines Westerns hat Chris bei den Dreharbeiten und in der Postproduktion viele besondere Entscheidungen getroffen. Beispielsweise über Ausrüstung, Bildausschnitte, Farbkorrektur, Musik und sogar Schriftarten und Namen der Charaktere, die in der Erzählung verwendet werden. „Ich habe mir sehr viele Western angesehen“, sagt er. „Das waren vor allem modernere Beispiele wie 'The Power of the Dog' und 'Train Dreams'. Wir begannen mit bestimmten Kompositionen, um diese besondere Atmosphäre zu schaffen, bevor wir in der Nachbearbeitung Farben und Sounds im Westernstil hinzugegeben haben.“
„Für die Weitwinkelaufnahmen der Serengeti verwenden wir zum Beispiel die gleichen anamorphotischen Objektive wie Kinomacher. Wir müssen den Ort zeigen, seine Wüsten, Berge und staubigen Tafelberge, die eine ähnliche epische Dimension wie der amerikanische Westen haben. Es ist sehr schön, hier während der goldenen und blauen Stunde zu fotografieren. Die Serengeti wird dann selbst zu einer Figur, einer Repräsentation der ungezähmten Natur.“ „Diese Objektive haben jedoch keine starke Vergrößerung, daher weichen wir für die verhaltensorientierteren Aufnahmen auf normale Teleobjektive aus. Und genau hier kommt die Sony Burano richtig zur Geltung. Dank ihres 8K-Sensors eignet sich diese Kamera hervorragend für die Arbeit in verschiedenen Formaten. Obwohl wir häufig Objektive im Super-35-Format verwenden, um 5,7K-Dateien zu erhalten, haben wir so immer noch genug Auflösung zum Zuschneiden oder Stabilisieren.“
Die Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit der Sony Burano ist für Chris ebenfalls ein herausragendes Merkmal. „Ich habe die Funktionstasten der Kamera so eingestellt, dass ich sofort reagieren kann“, sagt er. „Eine wechselt durch den Crop-Modus und eine andere ist eine Abkürzung zum Zeitlupenmodus mit 120 Bildern pro Sekunde. Die dritte steuert die Voraufnahmefunktion. Ich lasse die ganze Zeit 10 Sekunden Aufnahmen zwischenspeichern, was bei Wildtieret extrem nützlich ist. Man drückt auf ‚Rec’, wenn etwas passiert, und hat dann direkt 10 Sekunden aufgenommen.“ „Aufgrund der erforderlichen Farbkorrektur drehen wir in SLog3 und verwenden das 16-Bit-RAW-Format der Kamera. Seine Dateigröße ist deutlich kleiner ist als im ProRes-Format, deshalb brauchen wir viel weniger Festplatten vor Ort“", verrät er. „Außerdem fährt die Kamera so schnell hoch, dass man sie fast sofort einsetzen kann, wenn etwas passiert. Dank der Dual-ISO-Funktion können wir auch nach Sonnenuntergang mit einer viel höheren Qualität fotografieren. Und mit dem internen ND kann man im Bruchteil einer Sekunde Anpassungen vornehmen, wenn sich ein Motiv vom Schatten ins Sonnenlicht bewegt.“
„Aber abgesehen von der hervorragenden Grafik ist eines der wichtigsten Dinge, bei denen Sony mir hilft, die eigentliche Produktion und der Vertrieb von Bone Dry“, schließt Chris. „Wenn der Film fertig ist, muss er gesehen werden, sonst war alles umsonst. Ich möchte die Meinung der Menschen über diese Underdogs ändern und zeigen, dass sie genauso wichtig sind wie die 'Helden'-Tierarten.“ „Es ist schwierig, das Bewusstsein der Menschen zu schärfen. Aber sie müssen erkennen, dass sie zum Schutz eines Ortes jede Tierart darin schützen müssen, nicht nur die symbolträchtigen und die beliebten Raubtiere. Das gilt für jedes Ökosystem, ob in Afrika, in Europa, an Land oder unter Wasser. Wenn man einzelnen Charakteren folgt und sieht, wie schlau sie sind, wie sie aufeinander aufpassen, versteht man sie und möchte sie beschützen. Hoffentlich wird Bone Dry genau das erreichen.“
„Bilder haben Macht. Eine einzige Aufnahme kann eine Emotion festhalten oder ein inneres Gefühl hervorrufen.“