2 Männer halten Geigen über ihre Augen

Meine Aufnahmetechnik | Peoplefotografie

Kaupo Kikkas

Es gibt ein Sprichwort, das ich sehr liebe: „Gute Fotos werden mit guten Kameras gemacht. Großartige Fotos werden mit Herz und Seele gemacht.“

Meiner Ansicht nach ist das Fotografieren von Menschen das wohl dynamischste und anspruchsvollste Genre in der Fotografie. Fotografen sollten nie vergessen, dass das Posieren für ein Foto einen Akt des Vertrauens darstellt. Es ist eine fragile und delikate Kunst, die man unbedingt respektieren muss.

Mann in gelbem Hemd mit einer Klarinette

© Kaupo Kikkas | Sony α7R IV + FE 24-70mm f/2.8 GM | 1/500s @ f/2.8, ISO 3200

Manchmal sagen mir die Leute, die ich fotografiere, dass ihnen mein Selbstvertrauen gefällt, weil sie sich dadurch sicherer fühlen. Ein solches Selbstvertrauen entsteht, wenn man gut vorbereitet ist, zumindest in technischer Hinsicht. Konzentriert man sich zum Beispiel zu sehr auf Blendenzahlen und Kameramanagement, hat man einfach nicht genug Aufmerksamkeit für sein Motiv übrig.

Kenne deine Ausrüstung und benutze sie.

Das Gute ist, dass meine Kamera das Denken für mich übernimmt und es mir so ermöglicht, mich voll und ganz auf das Wichtigste in meinem Bild zu konzentrieren: das Motiv. Ich habe schon mit allen Sony Alpha 7 Kameras gearbeitet, doch im Moment verwende ich das Flaggschiff, die Sony Alpha 1. Ihr hochauflösender Sensor bietet mir alle Details, die ich für kommerzielle und redaktionelle Arbeiten benötige, und eine Geschwindigkeit, mit der ich selbst kleinste Veränderungen im Gesichtsausdruck einfangen kann.

4 Musiker halten Geigenbögen

© Kaupo Kikkas | Sony α1 + FE 85mm f/1.4 GM | 1/800s @ f/5.0, ISO 1600

Für mich war eine der wichtigsten Verbesserungen in der Kameratechnologie von Sony der Autofokus mit Augenerkennung. Ich fotografiere häufig Musiker bei schlechten Lichtverhältnissen. Mit dem Autofokus mit Augenerkennung der Alpha 1 kann ich auf das Auge des Motivs fokussieren, selbst wenn die Lichtverhältnisse so ungünstig sind, dass ich es selbst nicht sehen kann. Früher wurden solche Aufnahmen von der Sorge überschattet, ob die Bilder auch wirklich scharf sind. Jetzt muss ich mir darüber keine Gedanken mehr machen.

Eine Geschichte in einem einzigen Bild

Sie müssen den Bildrahmen so betrachten, wie es ein Maler mit einer Leinwand tun würde. Einer der häufigsten Anfängerfehler besteht darin, sich auf die Person zu konzentrieren, die sie porträtieren, und den Rest des Bildes zu vergessen. Dadurch werden zwei Drittel der „Leinwand“ mit etwas Belanglosem gefüllt – und das sollte nicht so sein. Darum gehe ich an eine Aufnahme mit dem Gedanken heran, dass es keinen Hintergrund oder Vordergrund gibt, sondern nur eine einzige Sache oder Person, und das ist die Geschichte innerhalb des Bildes.

2 schwarz gekleidete Männer mit ernstem Blick

© Kaupo Kikkas | Sony α7R IV + FE 85mm f/1.4 GM | 1/160s @ f/3.5, ISO 3200

Wenn ich mit einer Person arbeite, versuche ich immer, ihre Geschichte zu ergründen und diese herauszustellen. Ich überlege, wie ich sie durch mein Objektiv erzählen kann. Selbst wenn es sich um ein einfaches Schwarz-Weiß-Porträt in Nahaufnahme handelt, muss ich mir zuerst bewusst machen, warum ich hier bin und was ich tue.

Was der Betrachter im Bild sieht, hängt von der Brennweite des von mir verwendeten Objektivs ab. Derzeit fotografiere ich bei 135 mm mit dem unglaublich scharfen 135mm f/1.8 G Master Objektiv. Schon beim ersten Ausprobieren habe ich mich in das Objektiv verliebt. Ich verwende es in der Regel für Ganzkörper- und Nahaufnahmen – es erzeugt ein super weiches Bokeh. Außerdem arbeite ich mit dem 85mm und dem 24-70mm G Master Objektiv. Etwa 90 % meiner Porträtaufnahmen entstehen mit diesen drei Objektiven, wobei das 135mm meine erste Wahl ist. Wenn ich jedoch unterwegs bin und mit leichtem Gepäck reisen möchte, nehme ich je nach Art des Shootings nur ein Objektiv mit.

Porträt einer Frau in weißer Bluse

© Kaupo Kikkas | Sony α7R IV + FE 135mm f/1.8 GM | 1/200s @ f/8.0, ISO 100

Komposition

Die Komposition ist eine spielerische Angelegenheit. Es gibt nur ein paar wenige Regeln, die Sie so gut kennen müssen, dass Sie sie praktsich unbewusst anwenden. Danach können Sie frei improvisieren und sich während des Shootings von neuen Geistesblitzen mitreißen lassen. Es ist wie in der Musik: Sie müssen die Partitur kennen, bevor Sie anfangen können zu improvisieren.

Porträt einer Frau, die über einen See blickt

© Kaupo Kikkas | Sony α1 + FE 24-70mm f/2.8 GM | 1/640s @ f/2.8, ISO 320

Wenn man die Grundlagen nicht beherrscht und anfängt zu improvisieren, kann das zu merkwürdigen Kompositionen führen. Die Idee mag großartig sein, doch das Gesamtbild ist ein einziges Durcheinander. So etwas erlebe ich häufig. Besonders gefährdet sind talentierte Leute, die viele Ideen haben und denken, sie könnten die Grundlagen einfach überspringen.

Beleuchtung

Bei der Beleuchtung des Motivs geht es nicht nur um Licht an oder Licht aus. Licht hat viele Eigenschaften wie Farbe, Intensität, Schärfe und Richtung. Das Wichtigste ist, das in der Szene vorhandene Licht zu erfassen und zu analysieren, bevor Sie entscheiden, was Sie damit machen wollen.

Für mich beginnt der Beleuchtungsprozess oft mit kleinen Schritten und nicht direkt, zum Beispiel durch das Hinzufügen großer Lampen, Stative und Softboxen. Man braucht sein Motiv nur um wenige Meter zu verschieben und schon hat man ein völlig anderes Licht. Auch eine Änderung des Aufnahmewinkels kann zu einer komplett anderen Perspektive und einem anderen Hintergrund führen, was wiederum die allgemeine Balance von Komposition und Licht verändert.

Porträt einer Frau, die sich hinter 2 Tafeln versteckt

© Kaupo Kikkas | Sony α1 + FE 135mm f/1.8 GM | 1/1250s @ f/2.5, ISO 100

Ich habe beim Arbeiten unter natürlichen Lichtverhältnissen viel Freiheit, da der Sensor der Alpha 1 mit hohen Empfindlichkeitseinstellungen verwendet werden kann, ohne dass ich mir Sorgen um eine Verringerung der Bildqualität machen muss. So kann ich Alben- oder Magazincover bei ISO 3200 aufnehmen, wodurch ich viel mehr Freiheit und Raum für Kreativität erhalte.

Vorgestellte Produkte

Kaupo Kikkas

Kaupo Kikkas | Estonia

„Arbeite hart und liebe, was du tust. Der Rest kommt von allein.“

Ähnliche Beiträge

Für α Universe-Newsletter registrieren

Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich für den α Universe-Newsletter angemeldet.

Geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Entschuldigung! Es ist etwas schief gelaufen.

Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich angemeldet.