Bei der Tierfotografie geht es darum, flüchtige Momente festzuhalten – Ausdrücke, Bewegungen und Interaktionen, die in nur einem Augenblick ablaufen. Dazu benötigt man Reichweite, Tempo und kompromisslose Bildqualität. Als ich das neue Sony FE 400-800mm f/6.3-8 G OSS zum ersten Mal in der Hand hielt, wusste ich, dass es vielen dieser Ansprüche gerecht werden würde.
Auf den ersten Blick sticht das Objektiv trotz seines erweiterten Brennweitenbereichs durch sein ausbalanciertes Design hervor. Die Gewichtsverteilung ist gut durchdacht, sodass es sich auch bei langen handgeführten Shootings bequem nutzen lässt. Während Superteleobjektive häufig frontlastig wirken, hält dieses hier ein beeindruckendes Gleichgewicht – egal ob auf einem Stativ oder Gimbal montiert oder für schnelle Aufnahmen in der Hand gehalten. „Fühlt sich vertraut an“ würde es ziemlich gut beschreiben, denn es ist einem meiner Lieblingsobjektive recht ähnlich, dem FE 200-600mm f/5.6-6.3 G OSS.
Eine meiner brennendsten Fragen war, wie gut das Objektiv mit den 1,4-fach und 2-fach Telekonvertern harmonieren würde. Die Antwort? Absolut beeindruckend. Der Autofokus arbeitete schnell und präzise und die Bilder blieben gestochen scharf, selbst bei 1600 mm mit dem 2-fach Telekonverter.
Natürlich büßt man bei Verwendung eines Konverters etwas Licht ein, aber mit meiner Alpha 1 II kann ich unbesorgt mit ISO 1600 und höher fotografieren, um die Lichtreduzierung auszugleichen. Der 1,4-fach Telekonverter erwies sich ebenfalls als gestochen scharf.
© Sasan Amir | Sony α1 II + FE 400-800mm f/6.3-8 G OSS + 1.4x Teleconverter | 1/125s @ f/11, ISO 1250
Nachdem ich ausgiebig mit dem FE 200-600mm f/5.6-6.3 G OSS von Sony gearbeitet habe, seitdem es 2019 auf den Markt kam, erwartete ich von diesem neuen Modell eine Weiterentwicklung dieses Konzepts. Aber das 400-800-mm-Objektiv geht sogar noch einen Schritt weiter und bietet eine größere Reichweite ohne Abstriche in Sachen Schärfe und Geschwindigkeit. Darüber hinaus beugt das Design mit integriertem Zoom Gleichgewichtsverlagerungen vor und macht das Objektiv zu einer vortrefflichen Wahl zur Verfolgung schnell beweglicher Motive. Auch die Brennweite von f/8.0 ist für 800 mm optimal!
Aber ganz besonders glänzt dieses Objektiv bei der Auflösung. Selbst bei 800 mm behalten die Bilder eine beeindruckende Detailschärfe von Rand zu Rand, mit minimalen Verzerrungen und keinerlei chromatischer Aberration. Die Tierfotografie verlangt Präzision, und dieses Objektiv sorgt dafür, dass jede Feder, jede Fellstruktur und jedes noch so kleine Detail im Auge mit absoluter Schärfe eingefangen wird. Getestet an der Alpha 1 II und der Alpha 9 III entsprechen die Schärfe und die AF-Geschwindigkeit meiner Meinung nach mindestens dem FE 100-400mm f/4.5-5.6 GM OSS.
Die Kunst, Tiefenschärfe zu erzeugen, ist in meinen Augen einer der wichtigsten Aspekte, wenn es um das endgültige Foto geht. Die Blende bietet 11 Lamellen, die gemeinsam für ein atemberaubendes Bokeh sorgen. Ruhig, scharf und künstlerisch, wie Sie unten sehen können.
Trotz seiner Größe ist das Objektiv in der Praxis überraschend gut zu handhaben. Die Blende und die hochwertige Stabilisierung ermöglichen handgeführte Aufnahmen – ein enormer Vorteil, um bewegliche Motive in unvorhersehbaren Umgebungen zu verfolgen. Ob bei der Arbeit im dichten Regenwald oder in der offenen Savanne – der komfortable Zoombereich machen es zu einem unverzichtbaren Tool. Die Bildstabilisierung funktioniert reibungslos in Kombination mit dem IBIS-System der Kamera, sodass mit der Sony Alpha 1 II sogar handgeführte 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde bei 800 mm sowie aktiviertem APS-C-Modus (Sichtfeld eines 1200-mm-Brennweitenobjektivs) und eingeschalteter aktiver dynamischer Stabilisierung gedreht werden können!
Einer der beeindruckendsten Aspekte dieses Objektivs ist seine perfekte Balance mit professionellen Kameragehäusen. In Kombination mit einem spiegellosen Vollformat- oder einem High Speed APS-C-Modell fühlt es sich absolut natürlich und stabil an, sodass man bei langen Shootings weniger schnell ermüdet. Fliegende Vögel mit 800 mm zu verfolgen ist keine leichte Aufgabe – deshalb sind perfekt ausbalancierte Objektive unverzichtbar für meine Arbeitsabläufe. Ich nehme alle meine Vögel-im-Flug-Fotos aus der Hand auf und obwohl ich zum allerersten Mal ein Superteleobjektiv verwendet habe, funktionierte es sehr vielversprechend. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der, dass ich den Zoomring einfach nur um ein Viertel drehen muss, um von 400 mm auf 800 mm zu schalten. Beim Herein- und Herauszoomen bleibt die Balance des Objektivs unverändert, da es mit internem Zoom ausgestattet ist und sich somit viel leichter verwenden lässt. Auch das Risiko, dass Staub in das Objektiv gelangt, ist deutlich geringer als bei einem herkömmlichen Zoomerweiterungssystem.
Bei der Tierfotografie ist Schnelligkeit alles, und dieses Objektiv liefert einen superschnellen Autofokus. Damit fokussiert es das Motiv in Sekundenschnelle und verfolgt Bewegungen mühelos, selbst in dichtem Laub oder vor komplexen Hintergründen. Mehr als das kann ich mir in den wertvollen Sekunden, bevor ich den Auslöser drücke, wirklich nicht wünschen.