„Manchmal beneide ich die Maler um ihre Freiheit“, sinniert der Landschaftsfotograf Michael Schaake. „Meine Fotos werden zwar oft als malerisch beschrieben“, fährt er fort, „aber meine Arbeit wird natürlich immer noch von dem Moment bestimmt. Ich habe mit dem Wetter, dem Licht und den physischen Einschränkungen eines Ortes zu kämpfen. Deshalb muss ich erfinderisch sein, um den Charakter eines Ortes auf authentische Weise zu zeigen.“ Wie schafft Michael das? „In vielen Fällen hat man alles, was man braucht, wie großartige Landschaften, Führungslinien und schönes Licht“, antwortet er, „aber für mich ist es erst eine lange Belichtung, die alles zusammenhält.“
„In dieser nördlichen Umgebung, die stark vom Wasser dominiert wird, lässt sich durch die Verlängerung der Verschlusszeit die Persönlichkeit eines Ortes vermitteln“, sagt Michael. „Beim Fotografieren von Wasser hilft die Belichtungszeit dem Betrachter, den Charakter des Wassers zu verstehen. Zum Beispiel wie sich das Meer an der Küste entlang bewegt oder welche Kraft ein Wasserfall hat. Aber eine möglichst lange Belichtung ist nicht alles, denn erst die exakte Geschwindigkeitseinstellung ist für die Szene entscheidend.“ Sein Bild eines Wasserfalls auf den Färöer-Inseln zeigt deutlich die Energie des Atlantischen Ozeans. „Die Geschwindigkeit gibt dem Wasser in dieser Situation Bewegung, bewahrt aber seine stürmische Textur“, erklärt er. „Wenn es 20 Sekunden sind, verwandelt sich das Wasser in einen Nebel, was der Szene nicht entspricht. Bei 1/500 Sekunde wirkt es eingefroren und sagt nichts aus. Aber hier, bei 1/4 Sekunde, sehen wir die Gewalt der Wellen auf eine besonders kraftvolle Weise.“
Auf einem anderen Bild der Färöer-Inseln wollte Michael etwas anderes vermitteln, und zwar ungewöhnliche Stille. „Dort ist es oft sehr stürmisch und laut, aber an diesem Tag war es ruhig. Also habe ich eine Belichtung von fast sieben Minuten verwendet, sodass die Berge über dem Wasser zu schweben scheinen. Das Ergebnis entspricht dem, was ich dabei fühlte – echte Gelassenheit.“
„Lange Belichtungszeiten helfen auch, Farben in der Landschaft hervorzuheben“, sagt Michael. „Die Aufnahme aus Blåvatnet, dem 'Blauen See' in Norwegen, ist ein gutes Beispiel dafür. Er hat dieses atemberaubende, türkisfarbene Gletscherwasser aus den Lyngenalpen, so blau, dass man denkt, es könne nicht echt sein. Durch die lange Belichtung werden Texturen und Reflexionen entfernt, sodass die Farben in ihrer ganzen Intensivität sichtbar werden.“
Was die Aufnahmetechnik betrifft, „ist eines der Hauptprobleme bei der Verwendung von Slow Shutter die Stabilität“, erklärt Michael. „Selbst bei Geschwindigkeiten von 1/4 Sekunde merkt man, dass der Wind die Kamera bewegt und die Bilder unscharf macht. Daher ist eine meiner Lösungen, dass ich eine 'Sicherheitsaufnahme' mit etwa 1/250 Sekunde mache, damit ich der langen Belichtung wieder etwas Schärfe verleihen kann.“
„Man muss auch daran denken, dass die benötigte Verschlusszeit von der Geschwindigkeit des Wassers und der Entfernung zum Wasser abhängt. Eine Belichtung von 1/4 Sekunde kann bei zwei Szenen sehr unterschiedlich wirken. Eine Möglichkeit, damit umzugehen, ist Versuch und Irrtum. Überprüfen Sie die Ergebnisse und verlangsamen Sie die Geschwindigkeit für mehr Bewegung. Oder erhöhen Sie sie für mehr Textur. Manchmal brauche ich fünf oder sechs Versuche, bevor ich das Richtige finde.“ Michael verwendet für alle Fotos hier eine Sony α 7R V. Er erläutert, dass diese Kamera über mehrere Funktionen verfügt, die das Fotografieren mit langen Belichtungszeiten erleichtern. „Neben der unglaublichen Auflösung, die alle Landschaftsfotografen lieben, ist der Dynamikumfang der α 7R V sehr wichtig“, erklärt er. „Bei sehr langen Belichtungszeiten wie 30 Sekunden kann sich das Licht ändern oder kleine Teile der Szene können ausbrennen und an Details verlieren. Aber der Spielraum in den RAW-Dateien der α 7R V macht es einfach, sie bei der Bearbeitung wiederzuverwenden.“
„Die Kamera verfügt außerdem über einen brillanten, lichtbetonten Messmodus“, sagt er. „Damit wird verhindert, dass Glanzlichter überstrahlen. Dadurch ist das ein wunderbares Werkzeug für Landschaftsaufnahmen und alle Arten von Fotografien, bei denen der Kontrast ein Problem darstellen kann. Und für mich ist auch das neigbare Display der α 7R V eine große Hilfe. Das macht meine Kompositionen auf niedrigen Eben deutlich einfacher.“ Michael liebt auch sein FE 16-35mm f/2.8 GM II Objektiv, das er für solche Landschaftsaufnahmen nutzt. „Der Brennweitenbereich ist sehr anpassungsfähig“, sagt er. „Das Objektiv ist unglaublich scharf, aber auch erstaunlich leicht. Ich wandere viel, daher passt ein lichtstarkes Objektiv von nur 547 g gut zu einer leichten Ausrüstung, die viele Optionen umfassen soll. Außerdem akzeptiert es trotz der großen Breite normale Filter, sodass ich problemlos alles anbringen kann, was ich brauche.“
„Es wird nie langweilig, Langzeitbelichtungen zu nutzen“, schließt Michael. „Diese Technik macht extrem viel Spaß und bringt sehr ausdrucksstarke Ergebnisse. Jede lange Belichtung offenbart etwas anderes. Jeder weiß natürlich, wie ein Wasserfall oder ein Abschnitt des offenen Meeres aussieht. Aber so wie ein guter Maler kann auch ein kluger Fotograf ein solches Motiv mit all seiner Kraft und seinen Emotionen nur mithilfe der richtigen Verschlusszeit optimal vermitteln.“
„Teil des Augenblicks zu sein und die spektakuläre Schönheit der Natur zu sehen, kann ein beeindruckendes und intimes Erlebnis sein. Ich hoffe, ich kann andere an dieser Reise teilhaben lassen, indem ich meine Bilder teile.“