Interview über Kameras mit Bob Martin

Sonys internationaler Sportfotograf

Mit über 30 Jahren Erfahrung als renommierter Sportfotograf muss Bob Martin nicht weiter vorgestellt werden – er ist einer der führenden Experten auf diesem Gebiet. Vor zwei Jahren nahm er zum ersten Mal eine α7R II in die Hand, weil er von der Vorstellung eines kaum wahrnehmbaren Blendenverschlussgeräuschs fasziniert war. Seither ist er begeisterter Nutzer der Technologie.

Wir trafen uns zwischen zwei Aufträgen mit Bob und befragten ihn zu seinen Favoriten unter den Sony-Kameras und -Objektiven.

bob martin sony alpha 9 seitliches portrait von mo farah vor grünem laub

© Bob Martin | Sony α9 + FE 100-400mm f/4.5-5.6 GM OSS | 1/500s @ f/5,6, ISO 800

Verstehe ich das richtig – Sie sind großer Fan neuer Technologien, aber nur dann, wenn Sie Ihnen bei der Arbeit einen Vorteil verschaffen? 

Ich verwende jedes nur mögliche Gadget, wenn es mich bei meiner Fotografie unterstützt – warum auch nicht? Auf digitale Technologie bin ich umgestiegen, sobald die ersten Schwierigkeiten überwunden waren, und das Gleiche gilt auch für den Autofokus. Spiegellose Kameras sind meiner Meinung nach der nächste große Entwicklungsschritt, weil sie viele Vorteile bieten.

Als ich mir die Sony-Kamera zum ersten Mal ansah, wollte ich sie sofort, weil sie leise war – der elektronische Sucher gefiel mir jedoch nicht. Ich sagte mir: Das musst du hinnehmen, die Kamera bietet mehr Vor- als Nachteile. Heute sehe ich den digitalen Sucher als das schlagende Verkaufsargument für diese Kameras und möchte nicht mehr ohne ihn arbeiten. Wenn ich unter schwierigen Lichtbedingungen Portraits anfertige, kann ich eine Vorschau anzeigen und die Einstellungen schnell anpassen, und dank des leisen Blendenverschlusses bekommen meine Modelle das nicht einmal mit! Ich kann mich einfach mit ihnen unterhalten und natürliche Aufnahmen anfertigen, während sie glauben, dass ich noch die Einstellungen anpasse.

bob martin sony alpha 9 gymnastin bückt sich und wirbelt ihr band durch die luft

© Bob Martin | Sony α9 + FE 400mm f/2.8 GM OSS | 1/2000s @ f/3.5, ISO 3200

Ein leiser Blendenverschluss ist ein riesiger Vorteil. Der moderne Mensch ist viel zu sehr an das Blendengeräusch gewöhnt und verändert automatisch jedes Mal seine Pose oder seinen Gesichtsausdruck. Durch einen leisen Verschluss liegt der Vorteil jedoch wieder beim Fotografen: Sie teilen Ihrem Modell mit, wann es gut aussieht, nicht das Klicken der Kamera.

Ich könnte am 18. Loch direkt neben Tiger Woods stehen, wenn er gerade den Ball, der ihm den Gewinn des Masters-Turniers einbringt, spielt, und würde ihn nicht stören. Er würde nicht einmal merken, dass ich ihn mit 20 fps fotografiere.

Wie gesagt, bin ich überzeugt, dass moderne Kameratechnologie Sportfotografie einfacher gemacht hat, da wir uns als Fotografen heute weniger Gedanken über die Technik für das Aufnehmen des perfekten Moments machen müssen. Früher betrachteten Presse und Kunstfotografen die Sportfotografie als Fotografie zweiter Klasse, weil sie einfach nur „den Moment einfängt“. Heute jedoch, mit all der Ausstattung, die uns so unterstützt, können wir uns endlich auf die künstlerische Seite mit Bildkomposition und Lichteinfall konzentrieren.

bob martin sony alpha 9 skifahrer kniet niedergeschlagen an der ziellinie, nachdem er verloren hat

© Bob Martin | Sony α9 + FE 24-70mm f/2.8 GM | 1/4000s @ f/5.6, ISO 2000

Fiel Ihnen die Umstellung von einer DSLR auf eine spiegellose Kamera leicht?

Nein, gar nicht. Ich musste die Sony-Kamera einige Monate lang dauerhaft einsetzen, bis ich mich damit wohlfühlte. Ich hatte jahrelang die gleiche DSLR-Marke verwendet und kannte mich daher intuitiv damit aus. Ich verwendete die Sony neben meinen DSLRs und baute langsam das notwendige Selbstvertrauen auf, damit ich letztendlich komplett darauf umstellen konnte. Besonders die benutzerdefinierten Funktionen der Sony finde ich sehr nützlich. Sie ermöglichen es mir, die am häufigsten benötigten Einstellungen einsatzbereit vorzuprogrammieren.

bob martin sony alpha 9 roger federer feiert ein gewonnenes tennismatch

© Bob Martin | Sony α9 + FE 70-200mm f/2.8 GM OSS | 1/4000s @ f/2.8, ISO 500

Neben der Kameratechnologie, mit der Sie offensichtlich sehr zufrieden sind, können wir uns auch gerne über Objektive unterhalten.

Ich möchte ganz ehrlich sein... Als ich die Sony-Kamera zum ersten Mal in der Hand hielt, interessierte mich nur der leise Blendenverschluss. Ich hatte vor, meine DSLR-Objektive mit Adapter zu verwenden. Dann stellte sich das aber als recht unhandlich heraus und die AF-Leistung war auch nicht optimal, also versuchte ich es bald mit dem G Masters.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass keine Objektive für veraltete Systeme entwickelt werden müssen oder weil modernste Optik dafür verwendet wird – auf jeden Fall erbringen die G-Master-Objektive erstklassige Leistung. Besonders überzeugt bin ich vom Objektiv 70-200mm f/2.8, das der Konkurrenz meiner Ansicht nach meilenweit voraus ist. Meiner Meinung nach ist es von wesentlichem Vorteil, dass die Sony-Objektive von Grund auf als „digitale“ Objektive konzipiert wurden. Es sind moderne Objektive für moderne Kameras.

Ich habe festgestellt, dass die Sony-Objektive auch in Kombination mit hochauflösenden Sensoren ausgezeichnet funktionieren. Eine Sache weniger, um die ich mich sorgen muss. Selbst einige der „schlechteren“ Objektive – das 12-24mm f/4 G zum Beispiel. Ich werde nie verstehen, warum es nicht als G-Master-Objektiv verkauft wird, es ermöglicht gestochen scharfe Aufnahmen! Das Gleiche gilt für das 24-105mm f/4 G – ein weiteres erstklassiges Produkt.

bob martin sony alpha 9 olympisches bobteam rast mit hoher geschwindigkeit die rennstrecke hinunter, olympische spiele in pyeongchang

© Bob Martin | Sony α9 + FE 100-400mm f/4.5-5.6 GM OSS | 1/80s @ f/11, ISO 50

Das klingt, als würden Sie jede Menge Objektive besitzen! Haben Sie einen Favoriten?

Wie ich schon erwähnt hatte, liebe ich das Modell 70-200mm f/2.8 G Master, das ich für die meisten meiner Aufnahmen verwende. Außerdem hatte ich das Glück, dass ich vor Kurzem das 400mm f/2.8 G Master kaufen konnte, das für ehrgeizige Sportfotografen das wichtigste Objektiv sein sollte. Neben den ausgezeichneten optischen Eigenschaften ist auch der Gewichtsvorteil extrem, besonders für Fotografen wie mich, die sich viel bewegen. Außerdem ist mir aufgefallen, wie toll die Ergebnisse bei der Nutzung mit einem Telekonverter sind – sowohl Fokussierungsgeschwindigkeit als auch Schärfe sind einwandfrei. Der Schwerpunkt liegt auch sehr weit vorne, was beim schnellen Manövrieren für Schnappschüsse hilft.

Bevor ich mir das 400-mm-Objektiv besorgte, nahm ich immer ein 100-400mm G Master mit. Ich muss zugeben, dass ich mir davon nicht besonders viel erwartet hatte. Meine vorherigen Erfahrungen hatten mich von Objektiven mit großen Zoombereichen abgebracht und ich verwendete nach Möglichkeit nur noch solche mit fester Brennweite. Als ich in Äthiopien Aufnahmen von Mo Farah machte, probierte ich es aber einfach mal aus. Er gab einige Interviews im Fernsehen und ich stand im Hintergrund und versuchte, ein paar Detailportraits aufzunehmen. Ich war ganz überrascht davon, wie scharf die Aufnahmen waren, und habe das Objektiv jetzt immer bei mir.

Produkte in diesem Artikel

ILCE-9

α9 mit mehrschichtigem Vollformat-CMOS-Sensor

ILCE-9

SEL2470GM

FE 24–70 mm F2,8 GM

SEL2470GM

SEL70200GM

FE 70–200 mm F2,8 GM OSS

SEL70200GM

SEL100400GM

FE 100-400mm G Master super-telezoom objektiv

SEL100400GM

SEL400F28GM

FE 400 mm F2,8 GM OSS

SEL400F28GM

Bob Martin
Alpha Universe

Bob Martin

Großbritannien

Die Sony α9 ist ein echter Gamechanger für mich – lautlos, mit Augen-AF und Live-Sucher!

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