Gareth Edwards gilt schon lange als Verfechter und Meister des agilen und wendigen Filmemachens. Sein Debütfilm Monsters wurde mit einem Produktionsbudget von weniger als 500.000 US-Dollar gedreht, die Effekte hat er zu Hause am Laptop gemacht. Es ist also keine große Überraschung, dass sein neuestes Werk The Creator von Anfang an mit handelsüblicher Prosumer-Ausrüstung produziert wurde.
Das soll nicht heißen, dass es bei dem Projekt an Ehrgeiz gemangelt hätte. Es weist viele Merkmale klassischer Science-Fiction-Megafilme auf, von gigantischen Kampfsequenzen bis hin zu traumartigen, futuristischen Technologien. Die Geschichte spielt im Jahr 2070, fünfzehn Jahre nachdem eine nukleare Explosion in Los Angeles einen Krieg gegen die Künstliche Intelligenz ausgelöst hat. Die Handlung folgt einem ehemaligen Special-Forces-Agenten, gespielt von John David Washington. Er begibt sich auf eine gefährliche Mission mit dem Auftrag, den Schöpfer einer Waffe zu finden, die das Ende des Krieges bedeuten könnte – und den Sieg für die Seite, die sie besitzt. Nicht gerade ein Plot, den man bei einem Film erwarten würde, der mit Prosumer-Ausrüstung gedreht wurde.
Edwards besprach das Projekt und seine Absichten mit seinem Kollegen aus dem Star Wars Film Rogue One: Kameramann Greig Fraser, Mitglied der American Society of Cinematographers (ASC) und der Australian Cinematographers Society (ACS). Gemeinsam entschieden sie sich schnell für die Sony FX3 als Hauptkamera, obwohl sie im Einzelhandel weniger kostet als die Tagesmiete für eine typische Hollywood-Kamera.
Nach mehreren durch die Pandemie verursachten Verzögerungen konnte Fraser jedoch nicht mehr als Hauptkameramann an der Produktion teilnehmen. Stattdessen ersetzte er sich selbst durch Oren Soffer – einen jungen Filmemacher mit einem markanten visuellen Stil, den er in zahlreichen Musikvideos, Kurzfilmen und narrativen Spielfilmen verfeinert hat.
Soffer war überrascht, dass der Film mit einer FX3 gedreht werden sollte, denn er sah darin nur eine kleine Videokamera in einem Fotokameragehäuse. Nicht unbedingt seine erste Wahl für einen Spielfilm mit einem Produktionsbudget von 80 Millionen US-Dollar. Als er jedoch von Fraser gedrehtes Testmaterial sah, war Soffer verblüfft. Danach wusste er, dass die FX3 in Sachen Bildqualität den Anforderungen einer Hollywood-Produktion gerecht werden würde: „Die Kamera ist in der Lage, unglaubliche Bilder zu liefern ... Sie hat mich regelrecht umgehauen.“
Eindrucksvolle Bilder, sogar bei Mondlicht
Obwohl ihn das Testmaterial beeindruckt hatte, ergriff Soffer die Chance, selbst Testaufnahmen zu machen – in Thailand, wo die Hauptaufnahmen stattfinden sollten. Dort übertraf die FX3 andere, teurere Kinokameras in einer ganz bestimmten Hinsicht: ihrer starken Leistung bei schwachem Licht.
Soffer drehte Testaufnahmen im Mondlicht und konnte dabei ohne zusätzliche Beleuchtung wunderschöne Nachtszenen einfangen. Aufgrund des engen Zeitplans war dies bei den Hauptaufnahmen nicht möglich, doch dank der hohen Empfindlichkeit der FX3 konnte Soffer trotzdem eindrucksvolle Szenen in der Dämmerung und am frühen Abend drehen.
Tatsächlich hat die starke Leistung bei schwachem Licht die täglichen Aufnahmezeiten sogar verlängert. Edwards und Soffer wurden zusätzliche 15 bis 20 Minuten für Aufnahmen in der Abenddämmerung geschenkt und konnten länger in der ätherisch anmutenden „blauen Stunde“ drehen – eine Zeit, die viele Kameraleute besonders schätzen. So entstand beispielsweise die Eröffnungsszene des Films während der Abenddämmerung. Sie zeigt Soldaten, die aus dem Meer auftauchen und in einem sanften, abendlichen Licht zum Strand laufen.
Später im Film kommt es zu einem dramatischen Schusswechsel, der hoch oben im Rosewood Hotel in Bangkok gefilmt wurde, wo man einen atemberaubenden Blick auf die Stadt hat. Diese Sequenz wurde ausschließlich mit dem Licht gefilmt, das von außen in den Raum einfiel, wodurch eine einzigartige Stimmung geschaffen wurde. Mit einer Kamera, die nicht die Lichtempfindlichkeit der FX3 aufweist, wäre dies schlichtweg nicht möglich gewesen.
Kompakte und erschwingliche Handwerkskunst
Auch wenn die Bildqualität für Edwards und Soffer an erster Stelle stand, brachte das kompakte Design der FX3 den Filmemachern noch weitere Vorteile. Edwards hält und bedient die Kamera bei seinen Filmen oft am liebsten selbst – und die FX3 hat dafür die ideale Größe und Form. Lange Takes waren deutlich einfacher zu realisieren. Häufig kamen leichte Gimbals statt großer Stativgestelle und sperriger Ausrüstung zum Einsatz. Insgesamt wurde etwa die Hälfte der Aufnahmen aus der Hand gefilmt, während der Rest mit einem kleinen Dolly oder Technocrane aufgenommen wurde.
Der Preis der FX3 war ein weiterer Pluspunkt: Die Produktion konnte es sich leisten, gleich mehrere Exemplare zu kaufen. Diese wurden dann auf verschiedenen Rigs montiert, darunter auch eine Drohne. Das sparte wertvolle Zeit und sorgte dafür, dass das Team den straffen Produktionszeitplan schneller durchziehen konnte.
Insgesamt ist das Ergebnis des wendigen Filmstils und Soffers Einsatz von natürlichem Licht ein beeindruckendes Filmerlebnis. Edwards’ neues Projekt besticht durch eine kraftvolle Energie und einen realistischen Look, der an klassische Science-Fiction-Filme wie Blade Runner erinnert. Und es liefert den Beweis dafür, dass Prosumer-Kameras sich nicht nur für große Filmprojekte eignen, sondern Filmemachern auch neue kreative Möglichkeiten eröffnen können.