Ich mag keine klischeehaften Porträts. Für mich bedeutet ein inszeniertes Lächeln nur wenig. Es ist zu einfach und naiv – und vor allem sagt es sehr wenig über das Motiv aus.
Wenn es in meinem Job nur um die Bilder ginge, würde ich ihn aufgeben. Es ist die Arbeit vor Ort, auf die es ankommt – Beziehungen aufbauen, Kontakte knüpfen, Gespräche führen und versuchen, die Menschen mithilfe von ethnografischem Wissen zu verstehen.
Wenn ich Porträts mache, wie dieses eines Hirten namens Bor aus der nördlichen Provinz Bulgan in der Mongolei, dann geschieht das immer spontan. Die Komposition ergibt sich aus einem Teil des Charakters der Person, einigen Elementen ihrer Geschichte oder dem weiteren Kontext ihrer Gesellschaft, die ich erforsche.
Bor ist 84 Jahre alt und hat die meiste Zeit seines Lebens mit seinen Tieren in dieser Gegend verbracht. Er hat das kommunistische Regime miterlebt und ein hartes Leben als Viehhirte geführt. Das ist heute fast unmöglich geworden, was zu einer ständigen Abwanderung in die Städte führt und die nomadische Kultur schwinden lässt.
Während ich mit Bor sprach, wurde mir plötzlich klar, dass ich fast ein ganzes Jahrhundert an Mühsal und Plagen vor mir sitzen hatte. Die von ihm geschilderte Situation war schwierig, und dementsprechend habe ich das Bild gestaltet. Der dunkle negative Raum hinter ihm und der starke Kontrast in seinem Gesicht verdeutlichen die Komplexität und Spannung. Außerdem ist das Bild geneigt, um die Strapazen seines Lebens zu versinnbildlichen – es ist alles andere als ein romantisiertes Reisefoto.
Insbesondere für Fotojournalisten und Dokumentarfotografen ist die Sony Alpha 7C ein fantastischer Begleiter, vor allem in Kombination mit den Objektiven der G-Serie wie dem FE 50mm F2.5 G. Die Kamera ist unauffällig, leise und nicht so aggressiv wie es ein DSLR-Gehäuse bisweilen sein kann. Dank des Messsucherformats, bei dem sich der Sucher auf der linken Seite befindet, kann ich mit dem rechten Auge fotografieren und mein Gesicht für die Menschen um mich herum sichtbar und offen halten. Sie sehen, dass ich sie sehe. So kann ein Zusammenspiel zwischen mir und meinem Motiv entstehen. Dies ist Teil meiner ethischen Grundsätze und der Grund, warum ich Dokumentarfotograf bin.
Bei dieser Aufnahme habe ich den schwenkbaren Bildschirm der Sony Alpha 7C verwendet, um den Rahmen festzulegen. Dadurch konnte ich meine Augen und Bewegungen von den Einschränkungen befreien, die der Sucher mit sich bringt. Außerdem kann ich so von oben fotografieren, wenn ich mich in einer Menschenmenge befinde, oder vom Boden aus. Ich habe den Bildschirm meiner Sony Kamera als Orientierungshilfe für den Bildausschnitt verwendet. Auf diese Weise konnte ich den Hintergrund so weit unterbelichten, dass die Dunkelheit weiterhin stark war und die Glanzlichter in Bors Gesicht zur Geltung kamen.
Es ist kein romantisches Bild – es ist wahrhaftig. Und er schaut ins Licht, was für mich bedeutet, dass er mit offenen Augen in die Zukunft blickt.
Das Bild wird in einem Buch über die Mongolei des 21. Jahrhunderts erscheinen, das ich herausgeben werde. Bei der Dokumentation eines ländlichen Wandels versuche ich, die raue Schönheit des Landes einzufangen und eindrucksvolle Bilder zu schaffen, die die Geschichte einer Nation im Umbruch erzählen.