Wie ich fotografiere
Aufnahmen vom Nordlicht

Ole Salomonsen


Für mich gibt es nichts Schöneres, als an einem kalten, dunklen Winterabend in der Arktis das großartige Schauspiel der Aurora zu betrachten und festzuhalten. Das Nordlicht ist nicht vorhersehbar. Das macht „die Jagd“ und das Warten gleichermaßen spannend. Für ein richtig gutes Schauspiel am Himmel muss vieles passieren, und dann sind die Lichter auch ebenso schnell wieder weg, wie sie aufgetaucht sind. Jede Aurora ist einzigartig. Deswegen bin ich immer noch aufgeregt, wenn es eine gute Aurora-Vorhersage gibt, und hoffe auf das perfekte Schauspiel.

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© Ole Salomonsen | Sony α7R III + FE 16-35mm f/2.8 GM | 2s @ f/2.8, ISO 2500

Wann und wo?

Fotos von Nordlichtern fallen in die Schnittmenge zwischen zwei Fotografiegenres: Landschaftsfotografie und Astrofotografie. Wie bei der Landschaftsfotografie braucht man für Fotos von Nordlichtern auch einen ansprechenden Hinter- und Vordergrund. Es muss eine Geschichte über den Aufnahmeort und das leuchtende Schauspiel am Himmel erzählt werden.

Ich suche normalerweise nach einem geeigneten Berg als ansprechenden Hintergrund und einem Fluss oder See als Blickfang im Vordergrund. Das bietet auch die Chance, das Spiegelbild der Aurora im Wasser einzufangen. Deswegen muss das Nordlicht selbst auch nicht immer besonders hell sein, um tolle Fotos zu machen.

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© Ole Salomonsen | Sony α7R III | 6s @ f/2.8, ISO 3200

Die richtige Belichtung

Wie bei allen Arten der Fotografie hängen die Blendeneinstellungen beim Fotografieren des Nordlichts von der genauen Situation ab.

Wenn die Aurora schwach ist, muss man eine längere Verschlusszeit verwenden, damit man sie besser sehen kann. Man braucht aber wohl auf jeden Fall ein Objektiv mit einer Blende von mindestens f/2,8. Damit kann ich so viel Licht wie möglich nutzen. Um das Motiv in seiner ganzen Breite einzufangen, verwende ich normalerweise leistungsfähige Weitwinkelobjektive, entweder das Sony FE 16–35 mm f/2,8 GM oder das brandneue FE 12–24 mm f/2,8 GM.

Das Schauspiel fängt meist sehr schwach an. Deswegen ist es wichtig, die Belichtungseinstellungen im Auge zu behalten und flexibel zu bleiben. Wenn die Aurora stark ist, fotografiere ich mit einer möglichst kurzen Verschlusszeit. So kann man mehr von der Aktivität der Lichter festhalten und die Strahlen deutlicher sichtbar machen. Man sieht nicht nur einen verwaschenen, blassgrünen Brei wie auf vielen Fotos, die mit einer langen Belichtungszeit aufgenommen wurden.

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© Ole Salomonsen | Sony α7R III + FE 16-35mm f/2.8 GM | 4s @ f/2.8, ISO 3200

Das bedeutet, dass man die Empfindlichkeit der Kamera höher einstellen muss. Zum Glück kann ich bei den Kameras aus der α7R Serie von Sony die Empfindlichkeit unbesorgt so hoch einstellen, wie nötig. Ich weiß, dass das Rauschen auf ein Minimum reduziert wird und ich Details, die im Schatten liegen, wieder herausarbeiten kann.


Fokussierung

Wenn man das Nordlicht fotografiert, möchte man meistens die Sterne im Fokus haben. Mit einer normalen DSLR kann das draußen an einem kalten, dunklen Winterabend schwierig werden. Bei Kameras von Sony kann ich jedoch die integrierte Fokus-Peaking-Funktion nutzen, die alle Bereiche im Fokus hervorhebt. Außerdem aktiviere ich die manuelle Fokusunterstützung, mit der die Kamera das Motiv automatisch heranzoomt, wenn ich den Fokusring am Objektiv drehe. Dadurch wird es leichter, die Sterne zu erkennen und in den Fokus zu bekommen.

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© Ole Salomonsen | Sony α7R II + FE 16-35mm f/2.8 GM | 3.2s @ f/2.8, ISO 3200

Eines sollte man bedenken, wenn man eine große Blende, z. B f/2,8 verwendet: Die Elemente im Vordergrund sind nicht besonders scharf, wenn man die Sterne im Fokus hat. Als Faustregel gilt: Mit einem 16-mm-Weitwinkelobjektiv bei f/2,8 mit einer Vollformatkamera sind die meisten Vordergrundelemente innerhalb vom 3–4 Metern einigermaßen scharf, selbst wenn die Sterne im Fokus sind. Wenn man allerdings den Vordergrund scharf haben möchte, muss man mehrere Aufnahmen machen, bei denen unterschiedliche Punkte im Fokus sind, und sie dann mittels Focus Stacking kombinieren.

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© Ole Salomonsen | Sony α7R | 3.2s @ f/2.8, ISO 2500

Denken Sie einfach daran: Nicht Sie haben die Kontrolle, sondern das Nordlicht, vor allem wenn es sich schnell bewegt. Versuchen Sie, eine kurze Belichtungszeit – möglichst weniger als eine Sekunde – zu erreichen, und scheuen Sie sich nicht, die ISO-Empfindlichkeit zu erhöhen. 

Sie sollten sich auch auf unterschiedlichste Umweltanforderungen vorbereiten. Ich habe mit meiner α Kamera schon bei Temperaturen von -35 °C die Aurora fotografiert und es gab keine Probleme, aber wie bei allen elektronischen Geräte können solche Temperaturen die Akkus in Mitleidenschaft ziehen. Ich stecke sie immer in die Innentasche meiner Jacke, damit sie warm bleiben und länger halten. Sehr niedrige Temperaturen können sich auch auf das LCD-Display auswirken. Deswegen ziehe ich ein Kleidungsstück über die Kamera, während ich auf den perfekten Moment warte. Dadurch wird sie ein wenig gewärmt.

Eines sollten Sie jedoch auf keinen Fall vergessen: Lassen Sie sich immer vom Vordergrund in das Bild hineinführen, hin zu diesem großartigen Berg im Hintergrund, über dem das Nordlicht tanzt. Wenn Sie Glück haben oder richtig gut planen, spiegeln sich die Lichter zusätzlich noch in dem Fluss im Vordergrund.

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Fotografieren heißt für mich, das arktische Licht einzufangen.

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